2015-03-29

Griechenland und deutsche Reparationszahlungen

Die Anstalt (Sendetermin 31.03.2015) zu den Forderungen der Griechen an Deutschland. Das nimmt eine Wende, die sollte sich niemand nehmen lassen …

2015-03-27

Suizid

Ich denke, man muss die unterschiedlichen Arten von Suiziden verstehen, um das vielleicht irgendwann einmal begreifen zu können.

Es gibt den Bilanzsuizid, da guckt jemand auf sein Leben zurück, auf seine Zukunft, regelt alles und geht. So wie es Gunter Sachs gemacht hat.

Es gibt den krankheitsbedingten Selbstmord. Den Menschen in einer schweren depressiven Phase, Psychose oder Suchterkrankung wählen. Also Menschen, die sogar in Behandlung sind, aber für sich den Kampf nicht mehr kämpfen möchen und können.

Dann gibt es den spontanen Selbstmord. Da läuft irgendetwas im Leben schief, was den Menschen sehr tief berührt. Mehr vielleicht als er es selbst benennen könnte. Dann gibt es einen Moment – der sogenannte Trigger – der kann ganz lapidar sein, das Schlüsselbund fällt runter, man kommt nicht rechtzeitig an das Telefon, eine Tasse kippt um, die Sonne schiebt sich vor die Wolken und dann kommt es zu dieser Affekthandlung. Das sind die Leute, die mitten im Gespräch aufspringen und aus dem Fenster springen.

Vor allem im letzten Fall ist der Mensch gar nicht in der Lage Verantwortung für andere Menschen zu tragen. Dazu muss er keine verantwortungslose Person sein. Im Gegenteil. Aber in dem Moment ist die Person in einer mentalen Schleife gefangen, die ein Ermessen dessen, was getan wird, überhaupt nicht möglich macht. Es gibt nur noch einen Drang: dieser Situation zu entfliehen. Dieser Mensch steht in diesem Moment unter unermesslichen Qualen. Nennen wir es selbstverursachte Folter.

Es ist durchaus möglich, dass dem Co-Pilot vom Flug in den Sekunden überhaupt nicht bewusst war, dass er seinen Weg nicht alleine geht. Es ist gut möglich, dass der Mann den Piloten draußen gar nicht mehr gehört hat. Oder die Flugkontrolle.

Unser Bild vom Suizid ist viel zu sehr ZDF-Krimi gefärbt. Da stehen die Menschen immer auf dem Dach am Rand und lassen sich von den Kommissaren noch in Konversationen verwickeln. In der Realität sind diese Leute nicht zwingend überhaupt noch ansprechbar. Oder auch: sie reagieren nur noch mechanisch, das heißt, was sie da tun, tun sie nicht bewusst.

Was geschehen ist, ist unfassbar. Und unfassbar traurig. Viele Fragen, womöglich die wichtigsten Fragen, werden vermutlich nie beantwortet werden können.

Es ist ein fürchterliches Geschehen. Der Mann war krank.

2015-03-26

Geh mir weg!

Nachbarn im Haus nebenan bekommen neue Küche geliefert. Lieferanten gehören zum lautstarken Prolltypus „jeder muss mitbekommen, dass ich da bin und einen Handschlag tue”.

Hinter unserer Anlage ist eine Miniatur-Brache. Da steht ein komisches kleines Beton-Haus drauf, keine Ahnung was es ist – vielleicht eine alte Abluftanlage. Das Gelände ist eingezäunt. An der Rückseite seitlich von unserer Müllanlage aus kann man durch den Zaun auf das Gelände. Ein Obdachloser hat sich im vergangenen Jahr dort einen Verschlag gebaut. Die allermeisten Nachbarn tolerieren das. Viele von uns unterstützen den Mann mit Essen oder Geld. Tagsüber sitzt er an der Straße und bettelt: zusammengekauert unter seiner Jacke versteckt. Er berührt in seinem Versuch unsichtbar zu sein und dennoch leben zu können, täglich.

Die Liefertypen stehen vorhin vor der Haustür und rauchen und diskutieren den Verschlag. Einer von denen läuft zum Auto und brüllt absichtlich laut über den Hof: „Bestimmt 'nen Illegaler, gleich mal die Polizei rufen°!”

Ich brülle vom Balkon runter „Arsch!”. Typ guckt erschrocken hoch, seitdem Ruhe. Und ich werde den dicken Hals nicht los.

Arsch trägt H*it*l*er-Frise.

2015-03-15

Liebe Blogger …

… und hier leider vor allem: liebe Foodblogger,

wenn Ihr der Meinung seid, es ist klug und sinnvoll sobald mich Google oder der von mir als vertrauenswürdig eingestufte Mensch geposteter Empfehlungslink auf Euer Blog spült, mir nach nur zwei Sekunden – noch bevor ich den gewünschten Inhalt auch nur in Augenschein nehmen konnte – ein PopUp auf die Linse drücken zu müssen, das mir mit supidupi Kuschellaunentext vorschlägt, dass ich Euer Blog auf Facebook etc. like oder Euer Blog in irgendeinen Feeder direkt sortiere oder mir Eure Bloginhalte in irgendeine Smartphone-App ziehen soll, dann war ich die letzten und längsten zwei Sekunden jemals auf Eurem Blog.

Versprochen!

(PopUps sind immer, immer, IMMER Bullshit, capice? Für PopUps hat man schon vor 10 Jahren PopUp-Blocker erfunden – und nun ratet mal warum?)

David Bowie

David Bowie-Dokus auf arte. Wieder einmal verliebt in diesen hochintelligenten feinsinnigen, unglaublich talentierten Mann, der als Schauspieler fast noch besser ist als als Sänger. Ich könnte ihm stundenlang beim Sprechen zuhören, was für eine Sprechstimme!

Und ich bin froh, dass ich als Ziggy Stardust seinen Lauf noch viel zu klein war. Hätte ich ihn während meiner Pubertät erlebt, das wäre vermutlich auf Drogenebene nicht gut gegangen. Diese Figur hat wohl viele Menschen beflügelt irrsinnige Dinge zu tun.

2015-03-11

Der Großcousin

wird morgens übrigens vier obwohl er erst drei wird. Aber er mag die Zahl drei nicht und überspringt sie beim Zählen und drei Finger zeigen möchte er auch nicht. Eigentlich wollte er morgen schon fünf werden aber wir haben ihn dann gestern noch mal auf die Vier runterhandeln können.

2015-03-07

Rosa Pillen



Die lustigen kleinen rosa sündhaft teuren (1,— €/Pille, Tally nimmt davon 2 täglich) neuen Pillen möchte die kleine bunte Katze, die sonst sehr relaxt alles an Tabletten in Catsticks versteckt schluckt, partout nicht nehmen. Ich habe alles probiert von in Hälften teilen, zermahlen in Vitaminpaste auflösen etc. Gerade eben habe ich den Waschzettel gelesen, der mir befiehlt die Dinger ja bloß nicht in Hälften zu teilen oder gar zu zermahlen. Und mit befehlen meine ich: die machen keine Gefangenen in diesem zweiseitigen Pamphlet!

Mir wird sogar verboten, während des Wechselns der Katzenstreu kein Essen oder Getränke zu mir zu nehmen. Rauchen darf ich dabei auch nicht. Das ist alles so bitter!

Neben des regelmäßig wiederkehrenden bronchialen Infekts, der ihr wieder einmal eine Runde Antibiotika einbringt (ich muss die Mieze heute spritzen) hat die kleine ältere Dame nun eine hochgradige Schilddrüsen-Überfunktion und ist somit die erste in ihrer miezigen Ahnengallerie, die bei mir leben durften, mit dieser Diagnose, die ältere Katzen gerne trifft.

Somit hatte ich wenig Ahnung mit dieser Diagnose und ihren besonderen Eigenheiten bzw. den Veränderungen bei der Katze, die ich eher abgetan hatte unter „sie wird halt älter”. Da sind zum Beispiel: Unruhe und wenn die Mieze anfängt lieber auf kühlen Plätzen zu liegen anstatt auf kuschlig warmen, auch übergroßer Hunger ohne gleichzeitige Gewichtsaufnahme sind wohl ein sicheres Anzeichen. Letzeres hatte ich bemerkt und war auch der Grund für die Blutuntersuchung. Trotzdem mache ich mir jetzt Vorwürfe, ob ich die anderen Zeichen nicht hätte früher anders deuten können, sollen.

Während ich mich gestern beim Tierarzt noch während der Aufnahme der einen Diagnose noch darüber freute, dass ihre Nierenwerte aber sonst ohne Befund sind, durfte ich mittlerweile beim Leerlesen des Internets zum Thema zur Kenntnis nehmen, dass eine Hyperthyreose bei Katzen manchmal eine Niereninsuffizienz auch überspielt, die dann unter der Behandlung zum Tragen kommt.

Die Mieze ist ungefähr 14 Jahre alt, ganz genau weiß ich es nicht und natürlich haben wir die längste Zeit miteinander verbracht, das ist mir klar. Aber ich hätte sie wirklich sehr gerne noch eine Weile bei mir, solange es ihr gesundheitlich halbwegs gut geht. Sie ist eine unglaublich liebe und tapfere Katzenpatientin.

Nun ja, ich muss also in meine Tally morgens und abend eine rosa Pille hinein bekommen, die ich laut Waschzettel nicht mal anfassen sollte. Und in drei Wochen ist wieder Blutkontrolle. Drückt ihr die Daumen. Und mir. Also uns.

2015-03-05

Strudeliges



Apfelstrudel mit Vanillesauce. Das ist ein Stück Glückseligkeit aus meiner Kindheit. Wenn mich meine Mom fragte, ob wir (meist) Sonntags uns nicht einen Apfelstrudel in den Ofen schieben sollten, habe ich immer „ja!” gesagt. Das war so ein Highlight! Meine Mutter hatte meist Blätterteig in der Gefriertruhe oder eben tiefgefrorenen Apfelstrudel für einen schnellen Sonntag-Nachmittagskuchen. Meine Erinnerung daran sind gemütliche Kaffeenachmittage auf dem Sofa mit einem schönen eingedeckten Tisch und einem leckeren Stück warmen Apfelstrudel auf dem Teller – mit Vanillesauce.

Ich bin auch die, die bei Ikea nicht einkehren kann, ohne nicht oben im Restaurant auf deren dortiges Apfelstrudel mit Vanillesauce-Angebot zurück zu greifen, obwohl ich den Strudel dort geschmacklich grenzwertig künstlich finde. Aber in meiner Natur ist nun mal ein „Nein!” zum Strudel nicht vorgesehen.

Selbst habe ich noch nie Strudel gemacht. Respektvoll habe ich mir das immer angeguckt, wenn im Fernsehen so ein Strudel ausgezogen wird. Auch wenn mich diese gefüllte Haptik durch den Bildschirm immer sehr anmachte, hatte ich das Gefühl für diese filigrane Tätigkeit motorisch nicht wirklich geeignet zu sein. Strudel lief bei mir unter „lass das mal besser den Profi mache.”

Interessanterweise habe ich die fantastische (oder auch fanatische) Angewohnheit, wenn es mir nicht besonders gut geht, mit dem letzten Aufflackern restlicher Energien backen zu wollen. Muss irgendeine therapeutische Rettungsleine sein, die da in mir wohnt Ich werde mich nicht beklagen, es gibt wahrlich unangenehmere Übersprungshandlungen.

Also habe ich mir Sonntag mutig ein Rezept aus dem Internet gesucht. Und Tutorials auf YouTube angesehen. Dann habe ich mir mit Kaffee Mut angetrunken und interessanterweise habe ich mich für das vermutlich einzige Strudel-Rezept im Internet entschieden, in dem ein Ei für den Teig verwendet wird. Die Füllung habe ich gänzlich nach Intuition zubereitet. Jahrelanges Apfelstrudelessen ließ mich da sehr sicher sein.

Dieser Apfelstrudel war … okay. Also für einen ersten Apfelstrudel fand ich ihn relativ gut gelungen, der Teig selbst war tatsächlich nur an einer Stelle gerissen. Aber ich fand das Ausziehen kaum möglich und habe daher eher gerollt als elegant über den Handrücken den Teig auf dünne Weite gezogen. Nach dem Backen vermisste ich diese Blätterigkeit vom Teig. Die Füllung war perfekt, na gut, sie wäre aus Sicht anderer Esser vermutlich nicht asureichend süß gewesen. Aber karamellisierte Butterbrösel mit Walnüssen, Apfel (zu mehlig), Mandeln und in Rum eingelegte Rosinen – alles mit Zimt und Zitrone abgeschmeckt – waren genau richtig.

Wie sich aber später heraustellte, als ich vermeintlichen Fehlern versuchte auf den Grund zu gehen, hatte ich wohl die Füllung falsch eingerollt (über die ganze Teiglänge verteilt anstatt nur im vordern Drittel) – und wie schon angedeutet, befand sich in allen anderen Rezepten plötzlich gar kein Ei in der Auflistung und deutlich weniger Öl (ein Esslöffel), deutlich weniger Essig (Tropfen).

Gestern (wieder Kompensationsmethodik, dieses Mal akut) kaufte ich neue Äpfel und machte mich erneut an das Werk. Ich knetete

150 g durchgesiebtes Mehl
1 EL Sonnenblumenöl
1 Prise Salz, 1 Prise Zucker
75 ml warmes Wasser

zu einem geschmeidigen Teig und stand dann sehr lässig zehn Minuten in der Küche und walkte den in eine Hand passenden Teig mit der rechten Hand bis bei Knete die Blasen platzten, was, finde ich, ein fast als sexy zu bezeichnendes Gefühl ist. Wenn man physisch begreift, was die Rezeptgeber einem zu sagen versuchen bei der Teigbehandlung, und es sich plötzlich anfühlt, wie es sich wohl anfühlen sollte – Ihr versteht das?

Dann legte ich den Teig mit Öl eingestreichelt auf Folie unter eine mit heißem Wasser ausgespülten Schüssel und ließ ihn dieses Mal auch deutlich länger rasten. Ich verlängerte die zehn Minuten Zeitangabe vom ersten Rezept auf ca. 50 Minuten, wie mir von den echten Österreichern in meinen Timelines empfohlen. Die Schüssel wärmte ich dabei immer wieder mit heißem Wasser auf. Und im Ergebnis hatte ich einen wundervollen flexiblen Teig, den ich noch nicht allzu geübt aber schon deutlich eleganter vergleichsweise hauchdünn ausgerollt und gezogen bekam.

Der Teig bekam vor der Füllung innen und nach dem Rollen außen seinen butterigen Anstrich – und ließ seine Füllung durchscheinen:



Die Füllung ergänzte ich dieses Mal durch ein paar Kirschen und Weintrauben aus dem Rumtopf, ließ dafür die Rosinen weg. Nach ca. 40 Minuten Backzeit bei 170 Grad Ober-/Unterhitze hatte ich einen feinen Strudel, der mir schon deutlich besser gefiel als der erste. Wenn gleich ich immer noch dieses Blätterige vermissen, das ich vom Industrie-Strudel her kenne. Den nächsten werde ich dann mal mit doppelt griffigen Mehl angehen, wir nähern uns.

Für die lieben Östereicher, die mir allen Ernstes erzählen wollten, so ein Apfelstrudel gehöre ohne Vanillesauce oder Eis serviert – nur mit Puderzucker bestreut – habe ich selbstverständlich ein Foto geschossen ohne diese entzückenden Notwendigkeiten:




Allerdings muss ich doch den Kopf schütteln angesichts solcher Sparsamkeit am Dessert! Die einzige wahre deutsche Variante wurde aber schlussendlich so serviert und verspeist: