2016-05-27

Brioche-Burger-Buns und meine Duschhaubensammlung



Seit aller Orten richtig gute Burger-Restaurants aufmachen und wir alle selber für Hamburger backen und grillen, hat sich in der (für uns Foodblogger vermeintlichen) Umgangssprache ein völlig neues Vokabular rund um den Burger aufgetan. Es darf nicht mehr Burger-Brötchen heißen, sondern Buns. Und das Grillfleisch ist auch keine Boulette mehr, sondern ein Patty. Wobei Boulette, Frikadelle, Fleischpflanzerl etc. eh nie ein Patty waren, es sind zwei gänzlich unterschiedliche Lebensmittel. Aber das ist ein anderes Thema.

Als neulich das Flüchtlingsmädchen, das bei meinen Freunden lebt, ihren sechsten Geburtstag feierte, war nach einigen Vorgesprächen klar: das muss ein rauschendes Fest werden. Immerhin ist es ihr erster Geburtstag in Deutschland und sie geht nun in den Kindergarten, hat Freunde und Freundinnen, da muss das kindliche Volk ordentlich bespaßt werden. Wir beschlossen für die Kinder Hamburger zum Essen zu machen, auch weil das ein Essen ist an dem die Kinder gut selbst Hand anlegen können. Es war übrigens eine sehr gute Entscheidung, die Zwerge haben Hamburger gebastelt und gegessen wie die Scheunendrescher! (Protipp: essbare Blüten in die Schüssel mit Gurken, Zwiebeln und Tomaten legen – in der Altersklasse der Renner!)

Mein Job im Vorfeld war es die Backmamsell zu geben. Ich buk Maccarons, Cake Pops und eben jene Burger-Brötchen namens Buns, weil wir den Kinder natürlich nicht diese riesigen Brötchen aus dem Handel servieren wollten. Da ich mich selbst vorher noch nie an diesen Backwaren vergnügt hatte, legte ich die eine und andere Probebackung hin. Auch aber nicht nur, um das beste Rezept zu finden, sondern vor allem, um die richtige Buns-Größe für einen Kindergeburtstag herauszufinden. Was tatsächlich keine so dumme Idee von mir war, denn die ersten Ergebnisse waren einfach zu riesig.

Dieses Rezept lässt geschmacklich ganz feine leichte Buns gelingen, die dennoch ausreichend fest sind, um dem Burgergebilde ausreichend Stand zu geben – und die vor allem sich von Saucen – auch direkt auf das Brötchen aufgetragen – nicht durchweichen lassen. Übrigens sind das akzeptable Frühstücksbrötchen.

Um es vorne weg zu nehmen: ein für kleine Kinderhände von 4-10 Jahren praktikables Buns sollte aus ca. 30 Gramm Rohteig geschliffen werden. (Buns für Erwachsene sind ab 50 Gramm aufwärts gut dabei.)

Von den Rezepten, die ich ausprobiert habe, hat mich das Brioche Burger Buns-Rezept von Highfoodality am meisten begeistert. Übrigens ist das Rezept creezy-sicher (also idiotensicher), denn ich habe es in unterschiedlichen Variationen mit selbst eingebauten besonderen Herausforderungen aufgrund vorliegender Schusseligkeit für Euch getestet!

Noch ‘ne Anmerkung: tatsächlich habe ich dieses Rezept nie mit Weizenmehl gebacken, weil bei den Kinder-Buns Dinkelmehl eine Vorgabe war. Also 500g Dinkelmehl tun es auch ganz prima! Die Mehlmenge habe ich leicht erhöht, denn es ist ein sehr feuchter Teig.


Zutaten (ca. 8 Brötchen à 60 Gramm, ca. 16 à 30 Gramm)

3 Esslöffel warme Milch
200 ml warmes Wasser
2 Teelöffel Trockenhefe oder ein Eckchen frische Hefe
2,5 Esslöffel Zucker
2 Eier (Größe M) (1 Ei kommt in den Teig, das zweite Ei ist für das Bestreichen der Brötchen – beide Eier sollten Zimmertemperatur haben)
425g Mehl Typ 550
60g Mehl Typ 405 (plus Mehl zum Verarbeiten)
1,5 Teelöffel Salz
80g weiche Butter
Sesam


Zubereitung

Den Zucker und die Hefe in der Milch und dem Wasser auflösen und ca. 15 Minuten zu einem Vorteig gehen lassen. Derweil ein Ei schaumig rühren. Das Mehl mit dem Salz mischen und die Butter zugeben und das mit der Küchenmaschine zu einem klumpigen Teig (Streusel) verarbeiten.

Den Vorteig sowie das gerührte Ei zum Mehl hinzugeben und ordentlich kneten. Ich lasse ihn in der Küchenmaschine bei Stufe 2 gute zehn Minuten bearbeiten. Solange sollte man ihn, wenn analoge Betreuung, auch mit der Hand bespaßen. Der Teig wird seidig und ist relativ feucht.



Die Schüssel wische ich ganz leicht mit wenig Öl aus, damit sich der Teig nachher besser aus ihr lösen kann. Ziehe meine wundervolle Duschhaube – die wirklich die allerbeste Variante für ein gutes gesundes, warmes und vor allem: zugloses Hefeklima schafft – über die Schüssel und stelle die Schüssel ins Bett unter die Bettdecke. Leider weiß ich nicht mehr, woher ich diesen Tipp mit der Duschhaube für Hefe habe – aber der war richtig richtig gut! So gut, dass ich mittlerweile ein Adlerauge habe für schräge Duschhauben. Danke für den Spaß!





Im Originalrezept steht der Teig soll eine Stunde lang an einem warmen Ort stehen. Mein Teig ist bei allen Versuchen mindestens 2-3 Stunden gegangen, denn nach nur einer Stunde hatte er sich nie verdoppelt. Dafür hat er aber auch einen Lufteinschluss wie im Träumchen:



Nach dem er sich im Bett schön ausgeruht hat, dürfte er so aussehen:



Ist der Teig ausreichend gegangen, etwas Mehl auf die Arbeitsplatte geben und den Teig darauf fließen lassen. Ja fließen, der Teig ist unglaublich sexy in seiner Konsistenz!



Den Teig ganz vorsichtig weiter drücken und ca. zwei Mal von allen vier Richtungen von außen zur Mitte vorsichtig falten, aber nicht die ganze Luft heraus drücken. Dann den Teig mit dem Schuss nach unten zu einer Rolle formen und mit einem Teigschaber und einer Waage jeweils Teigteile in gewünschter Grammmenge abstechen.



Diese werden dann einmal kurz gefaltet und dann von oben nach unten solange zart gezogen bis die Oberfläche ordentlich Spannung bekommt. (Ich poste unten dazu noch ein, zwei YouTube-Clips, die das sehr gut erläutern). Am Ende werden die Brötchen mit einer Hand rund geschliffen. Man legt sie auf die bemehlte Arbeitsplatte und führt sie mit der unteren Handfläche in dem man sie leicht im Kreis dreht in eine runde Form.





Dann ab mit den Brötchen auf das Backblech – bitte gut Platz lassen, denn sie werden noch ordentlich wachsen – und noch einmal an einem warmen Ort (im Ofen) ca. eine Stunde gehen lassen.



In der Zwischenzeit das zweite Ei, das nicht zu kalt sein darf, sonst macht es Euch die letzte Gare kaputt, verquirlen und ganz vorsichtig die gegangenen Brötchen damit einpinseln. Bitte möglichst gar keinen Druck dabei ausüben. Die Brötchen mit Sesam bestreuen und – so sagt es das Originalrezept – bei ca. 200 Grad Celsius für ca. 20 Minuten im vorgeheizten Ofen auf der mittleren Schiene backen.

Bei meinem Ofen sind 200 Grad viel zu viel, da werden sie zu braun. Ich backe sie bei Ober-/Unterhitze bei ca. 170 Grad und auch nur 15 Minuten.



Nicht verkehrt ist es, den Ofen ein bisschen einzuschwaden. Das heißt dem Backprozess etwas Feuchte zuzuführen. Dazu spritzt Ihr mit einer Wasserspritzflasche kurz vor dem Einschub der Brötchen ordentlich Wasser in den Ofen und macht sofort wieder die Tür zu. Und direkt nach dem Einschub nochmals ordentlich sprühen – aber bitte nur unterhalb des Bleches! Dann könnt Ihr förmlich zugucken, wie die Brötchen im Ofen noch einmal mehr aufgehen. Es ist ein wunderschönes Backerlebnis.


Protipps aus … ähem Gründen:

Ihr könnt das zweite Ei versehentlich oder auch absichtlich mit in den Teig geben. Der Teig wird dann etwas „briochiger”. Das tut dem Ganzen aber gar kein Abbruch. Wenn er dadurch zu feucht wird (was er wird!), spendiert Ihr ihm nochmals ein bis zwei Löffel Mehl.

Ihr könnt die Butter vergessen. Ob mit Absicht oder ohne, ist egal. Dann wird der Teig etwas fester.

Und nochmal, weil's wirklich wichtig ist: das Ei zum Bestreichen muss warm sein, nicht direkt aus dem Kühlschrank nehmen. Streicht die Brötchen so sensibel wie möglich sein. Das ist der einzige Punkt am Rezept, bei dem Ihr es noch mal verderben könntet. Wenn Ihr mehrere Bleche nacheinander backt, die Buns erst kurz vor dem Einschub in den Ofen bestreichen.

(Fragt mal, woher ich DAS alles weiß.)

Diese Buns kann man gut schon ein paar Tage vorher backen und in einem Gefrierbeutel einschweißen bzw. einfrieren. Die müssen nicht einmal zwingend aufgebacken werden, lassen sich also gut auf Vorrat zubereiten. Eine ganz sichere Nummer. Vor allem: eine ganz herrliche Nummer!

Der Brotdoc zeigt anschaulich, wie man den Teig vorsichtig faltet. Wenn Ihr keine Panflöte mögt, macht ruhig den Ton aus – er sagt eh nix.

Backen zum Steak erklärt ganz gut, wie man die Brötchen formt (ohne Schleifen). Vor allem hat der auch die richtige Musik im Hintergrund.

2016-05-26

Und noch einmal Lobetaler Bio-Molkerei

Ich habe den Bio Company-Ausflug vorletzten Sonntag nicht alleine gemacht, Eva von Dental-Food war mit dabei. Und hat nun in ihrem Blogbeitrag „Barfuß oder Lackschuhe?” auch darüber berichtet.

Und sie macht darin mit dem Thema auf, dass uns beide sehr umgetrieben hatte, schon während und nach der Tour: das Rentnerdasein. Also dieses Rentnerdasein! Das grauhaarige (ja, es gibt natürlich auch andere), konsumierende, meckernde, unzufriedende, nur noch an Oberflächen agierende Rentnerdasein.

Für uns war im Erleben diese Tour ein großer Bruch, denn der Bus war vollbelegt mit Menschen, die allesamt schon grauhaariger Natur waren (bis auf zwei jüngere Damen). Daran ist nichts Schlechtes, aber der Anspruch dieser Leute – bis auf wenige Ausnahmen – an dem besonderen Thema, der war sehr unterschiedlich zu unserem.

Nun ist Eva in diesem Jahr 65 geworden, ich werde 51. Wir beide haben uns da (nicht nur) visuell doch sehr abgehoben. Und ich möchte das nicht als fishing for compliments verstanden wissen. Die Kluft war so massiv, weil wir beide nicht so weit weg sind von dem Alter der anderen Teilnehmer – vielleicht zehn, fünfzehn oder zwanzig Jahre. Und mich hatte dieses Erleben umgetrieben, weil ich die ganze Zeit denken musste: „Wann? Wann passiert das eigentlich, dass man dann doch so alt wird? Wann legt sich dieser Schalter um? Kann man das an irgendetwas fest machen? Wann hat man das Bedürfnis mental satt zu sein? Wann wird man so ungnädig zu anderen Mitmenschen?”

Zur Information, diese Informationstouren der Bio Company kosten ein eher geringes Geld. Damit wird höchstwahrscheinlich der Bus finanziert. Das ist schon ein idealistisches Entgegenkommen – weil das, was man dafür bekommt, so ich es erlebt habe, immens viel ist. Wenn man denn annimmt, was man auf so einem Ausflug bekommen kann: tief gehende Informationen zum Produktionsprozess, Produkte quasi vor dem Entstehen zum Anfassen und bei Thema Bio natürlich dieses Vermitteln eines anderen landwirtschaftlichen Grundverständnisses bis hin zur politischen Diskussion. Aber hey: das Thema ist Bio! Das weiß ich vorher.

Bei dieser Tour jedoch: Bequemlichkeit wurde groß geschrieben. Es ist am Anfang nicht alles glatt gelaufen, der gemietete Bus war kaputt. Es musste ein Ersatzbus her, der kleiner war. Einige der Teilnehmer verzichteten mit einem sehr großzügigen Angebot der Bio Company hinsichtlich einer Wiedergutmachung und gingen nach Hause. Die, die dabei blieben, mussten auf den Ersatzbus warten. Das alles verlief selbstbestimmt. Das kann passieren, da steckt man als Organisator nicht drinnen. Aber damit legte sich schon über diese Tour so eine launige Stimmung.

Und vor Ort, ja klar, nicht jeder kann mit siebzig Jahren noch viel laufen oder lange stehen – aber ich frage mich, ob man solche Bedürfnisse nicht mit Hilfsmitteln (z. B. Stuhl) für sich selbst im Vorfeld regeln kann, da man sich ihnen bewusst sein solle. Aber nein, lieber verdirbt man den anderen über das eigene Gebrechen ihr Erlebnis – in dem man mitten in der spannenden inhaltlichen Diskussion über den Kopf weg der anderen den Abbruch fordert, weil es einem jetzt reicht. Und bevor jetzt falsche Vermutungen aufkommen, nein, wir wurden nicht gezwungen, die ganze Zeit bei der Führung anwesend zu sein. Davon abgesehen, kann man so etwas so und so kommunizieren. Hier wurde so kommuniziert, dass man sich manchmal fragen musste in welchen schlechten Film man geraten war.

Das ist hart, wenn man einen sehr engagierten Menschen vom Fach vor sich hat, dessen Intention so abgebügelt wird – weil einzelne Personen ihren Bedarf an Entertainment gedeckt sehen.

Anderes Beispiel: ein Teil der Führung fand in der Produktion statt. Dort ist es sehr laut, denn die Kühlung läuft. Eine der Teilnehmerinnen bat – nachdem sie sehr lange ausgehalten hatte – ob man nicht den Standort wechseln könnte, weil sie aufgrund der Lautstärke der Umgebung schwer verstehen konnte, was gesprochen wurde. Eine ganz legitime Bitte und sie wurde von ihr auch als Bitte vorgetragen. Ihr glaubt nicht, was da los war. Wie diese Frau von den Hyänen angegangen wurde – nur weil sie äußerte, dass man im äußeren Umfeld der ca. 30 Personen schlecht verstehen konnte. Da wurde von alten Leuten ein Altersdiss abgelassen („soll sie sich gefälligst ein Hörgerät anschaffen”), das kann man sich nicht vorstellen!

Ich möchte nicht wissen, wie diese Tour abgelaufen wäre, wären da Familien mit kleineren Kindern mitgefahren – so wie die da drauf waren. (Mensch, habe ich Kinder in dem Bus vermisst.)

Es war auf menschlicher Ebene stellenweise sehr unangenehm.

Nun mag es sein, dass unsereins – als Blogger, netzaffine Person – hier sich von der breiten Masse über die Jahre anders entwickelt hat. Klar, ich kenne es kaum noch, dass ich solche Unternehmungen oder Events wahrnehme, wo das Interesse am Thema eher weichgespült ist. Man trifft sich vorrangig mit Menschen, die mindestens das Interesse an dem Thema verbindet. Und dass ein Blogger, Foodblogger der ersten Stunde (das sind die Foodblogger für mich, die selbst kochen mit Blick auf die Herkunft eines Produktes) natürlich von vorne herein schon anders im Thema drinnen ist und tieferes Interesse hat, ist klar. Gilt für alle anderen Themen auch. Man ist über ein Thema schneller eine Gemeinschaft – die natürlich ihre eigenen Komplikationen mit sich bringt. Und da sind die Ansprüche am Input gemeinschaftlich gehoben.

Aber so eine graumilierte Kaffeefahrt – schwierig. Falls jemand den Bann der spannenden Bio Company-Touren brechen möchte, hier sind die nächsten Ausflugsziele. Schon Sonntag geht es mit dem Rad durch Berlin zu Imkern, Gärtnern und Manufakturen.

Aber wann nur passiert es, dass man so grummelig altert?

2016-05-25

Verliebt in meine Hood

Morgen ist hier wieder Sperrmüll. Die Wohngenossenschaft lässt alle zwei Jahre große orange Autos vorfahren, damit wir unsere Keller leer räumen können. Das ist schon für sich wirklich sehr charmant.

Mit meiner einen Lieblingsnachbarin (Hund) unterhalte ich mich neulich, weil ich ein paar Sachen aus dem Keller los werden will, die wirklich schwer sind, wie ich die zum Müllplatz (wir müssen den Müll zu einem von drei Plätzen bringen, der von unseren Häusern aus etwas weiter weg liegt – also nicht wirklich weit, aber die Strecke wächst so komisch, wenn der Kram schwer ist, den man dorthin bringen will) bekomme. Es gibt auch einen Lkw-Service für sehr große sperrige Sachen. Muss man aber für telefonieren. Mit dem Telefonieren habe ich es nicht so, weswegen man für mich die E-Mail erfunden hatte. Außerdem braucht man dazu eine besondere Nummer vom Hausmeister, die ich klugerweise neulich gelöscht habe.

Ich räume vorhin im Keller, sortiere viel aus. Schmeiße viel weg. Stelle viel nach vorne in den Vorraum. Lasse den Sessel erst mal noch stehen – und habe das Gefühl, der Keller ist immer noch viel zu voll. Ist er auch. Aber das sind alles Dinge, die in den Hausmüll können, wenn ich sie in zwei Jahren immer noch nicht bei ebay reingestellt habe.

Dann backe ich Burger Buns. Nur so. Weil ich sie backen wollte, weil Burger Buns backen mir gut tut.

Die Burger Buns sind fertig. Währenddessen findet jetzt im Hof Völkerwanderung von Nachbarn mit Möbeln statt. Klar, alle die morgen vormittag arbeiten müssen, stellen jetzt dort alles hin. Da klingelt diese eine Lieblingsnachbarin, sie sieht gerade wie Sau aus, weil sie ihren Keller ausgemistet hat, wäre auf Betriebstemperatur und ob sie mit mir meinen Kram noch schnell nach hinten schleppen soll.

Habe ich nicht nein gesagt und schwups, haben wir mit drei Gängen alles dorthin entsorgt.

Dafür hat sie jetzt eine Tüte Buns bekommen und für die anderen Lieblingsnachbarn (Nichtmehrnachbarbabyjunge und Baby) bei ihr im Haus habe ich auch noch eine Tüte mitgegeben, weil die auch gerne auf dem Balkon grillen. Habe ich nur noch für mich vier Buns. Kann ich wieder backen.

So ist das hier. Ich liebe es sehr!

Ein Fisch namens Cobia.


©Open Blue

Als mich die befreundete Agentur anfragte, ob ich Lust darauf hätte einen Fisch zu testen, sagte ich spontan ja. Meine Liebe zum Fisch lässt ihn, habe ich die Wahl, immer vor einem Stück Fleisch sortieren. Mir immer noch gänzlich unverständlich, warum ich nicht am Meer in die Familie eines Fischers geboren wurde.

Ich sagte also „ja!”, und „aber bitte ein besonders großes Stück. Wegen diesem befellten Premiumcontent in da house.”



Einige Wochen später lieferte mir das Frischeparadies einen großen Karton, darin ein wirklich sehr großes Stück Fisch auf Eis.



Einen Cobia. Schwarzer Lachs. Black King Fish. Oder Offiziersbarsch. Und frischer geht’s nicht. Ich war beeindruckt ob dieses Lieferservices!

Ich zerlegte ihn in passable Stücke und bastelte in meinem Hirn kleine Rezeptideen wie ein Cobia-Carpaccio, Cobia im Ofen, Cobia gebeizt. Und ich opferte zwei kleine Probestückchen den Katzen. Tally war begeistert. Ich auch. Shiina nicht so. Ich wieder. (Katzenbesitzer, entweder sie frisst’s, dann freuen wir uns oder sie frisst’s nicht, dann bleibt mehr für uns über. Es ist immer ein Fest mit ihnen!)



Dieser Cobia kommt aus dem Karibischen Meer. Kurz vor Panama gelegen im Karibischen Meer wird Cobia von Open Blue in Marikultur gezüchtet und ungefähr ein Jahr aufgezogen. Mit einem Gewicht von ca. sechs Kilo wird der Fisch seiner weiteren Bestimmung zugeführt. In diesem Fall nach der japanischen ike jime-Methode. (Unbedingt lesen! Zu spannend, was es nicht alles gibt!)

In der Marikultur werden die Fische in Salzwasserorganismen – also im Meer – gezüchtet, so dass der Wildfischbestand geschont wird. Vor allem Beifang wird so ausgeschlossen und der Meeresboden geschützt, da der brutale Schleppnetzfang weg fällt. Es ist noch eine vergleichsweise junge Form der Fischzucht.


©Open Blue

Die Cobias werden nach dem Schlüpfen an Land in Zuchtbecken drei Monate aufgezogen. Ist der Fisch ca. 150 Gramm schwer, wird er direkt ins Meer in große Netzzylinder (Open Ocean Platform) umgezogen und dort weiter gefüttert bis zu seiner weitern Bestimmung.

Open Blue hat in Panama hierfür ein zehn Quadratkilometer großes Seeschutzgebiet angelegt und die Netzgehege am Meeresboden verankert. Gefüttert wird nach Bedarf, immer ohne Zusatzstoffe und genmodifiziertes Futter. Ohne Hormone und Antibiotika. Die modernen Futtertechniken sorgen dafür, dass das Meer durch nicht verwendetes Futter belastet wird. Die starke Strömung in den Netzen sorgt dafür, dass die Wasserqualität optimal „gefiltert” wird – und die Fische im Training bleiben.

Ich konnte bei meinen Recherchen nicht herausfinden, was mit den Fischexkrementen geschieht. Im Web gibt es nur Filme in denen Netze direkt ins offene Meer gereinigt werden, was auf Dauer bei Zunahme solcher Zuchtformen für die Meere leider suboptimal sein dürfte. (Nun gut, natürlich verklappen wir Menschen noch ganz andere Dinge en masse ins Meer.)

Aber zurück zu meinem Cobia, so wie er auf der Küchenarbeitsplatte lag. Der wurde also nach ike jime in die ewigen Jagdgründe geschickt und in Panama City in einer eigens – aus hygienischen Gründen – ausschließlich für den Cobia-Fang gebauten Verarbeitungsanlage versandfertig gemacht und binnen sechs Stunden nach seinem Fang auf den Weg geschickt. Hier lag er nun:



Sehr hell, fast weiß, rosa durchzogen mit sehr (sehr, also erstaunlich sehr) festem Fleisch. Seine Konsistenz ist tatsächlich mehr der von einem Stück vom Rind als vom Fisch ähnlich – so fest. Dieser Cobia hier ist gänzlich ohne Fischgeruch. (Wie schon erwähnt, die Liefermethode hat mich beeindruckt.) Seine Haut ist ledern, zweifarbig schwarz und weiß.



Was mich in der späteren Zubereitung beeindruckt, egal wie ich den Cobia zubereite, er behält diese feste Konsistenz.



Natürlich probiere ich den Cobia sofort (gemeinsam mit den Katzen) roh. Denn er wird als hochwertiger Sparringpartner für Sashimi und Sushi angepriesen. Geschmacklich erinnert er kaum an Fisch, natürlich ist da auch ordentlich Meer – aber mit verbundenen Augen würde ich vermutlich Kalb raten als einen seiner schwimmenden Kollegen. Nach dem ersten Bissen dachte ich sofort „Carpaccio!”. Eigentlich darf kann ich den Geschmack nicht mehr als nussig beschreiben denn:



Sandra hat Recht, da herrscht momentan in den Beschreibungen in der Fantasie der Leute leichte Flaute. Und eben nicht nur beim Fleisch. Tatsächlich aber kann ich beim Cobia sogar differenzieren, denn es ist ganz klar Walnuss, die geschmacklich eine Rolle spielt.

Der Cobia ist sehr reich an Omega-3-Fettsäuren, merkt man ihm beim essen an. Es ist … ein sehr gestandener Fisch. Der ist ein Energizer. So zurückhaltend er in seinem Fischgeschmack ist, so sehr präsent kommt er mit seiner Konsistenz daher. Toller Fisch zum Grillen! Will man ihn geschmacklich filigran anrichten, muss man ihn wirklich sehr dünn schneiden.



Ich indes schnitt ihn einmal dünn auf und servierte ihn als Cobia-Ceviche mit einem Mango-Avocadosalat, packte ihn in Pergamentpapier in den Ofen mit etwas Butter und Vanille und sein Ende durfte sich mit einem Beizprozess vergnügen. Die Rezepte blogge ich in den nächsten Tagen.



Aber probiert den Cobia ruhig einmal, wenn er Euch in der Fischtheke begegnet (zur Zeit im Frischeparadies und Globus) – es ist ein feiner Fisch. Einer der Eindruck macht.

Und falls Euch das Thema Marikultur und Cobia-Zucht interessiert, hier ein Imagefilmchen von Open Blue:

2016-05-24

Ich habe eine Stuhlkrise!

Nein, nicht was Ihr jetzt wieder denkt. Ich habe eine Stuhlkrise! Eine Echte. Und die geht so:

Vor einigen vielen Jahren kaufte ich – ganz analog – so mit Zweite Hand als Zeitung und mit Telefonanruf statt E-Mail einen Stuhl. Naja, mehr so einen Sessel. Einen Ohrensessel. Mehr so Fifties. So wie der hier. Aber mit spitzeren Ohren. Ich kaufte den einem netten Herren für 50 Deutsche Mark ab, der ihn mir sogar noch nach Hause fuhr.

Der Sessel hatte immer schon ein sehr hässliches braunes Design und es war ganz klar, der muss alsbald neu bezogen werden. Der Sessel wanderte in mein damaliges Wohnzimmer, wurde sofort von meinen Katzen besetzt und nie wieder für meine Verfügung frei gegeben. Der hässliche Bezug wurde mit einer weniger hässlichen, wenn auch nicht ultrahübschen Decke versteckt, was genau den Vorstellungen der damals im Hause lebenden Katzen, Daliah und Gigi und später auch Terry, entsprach. Denn unter solchen Decken kann man sich auf mehreren Ebenen verstecken.

Terry mochte diesen Stuhl so sehr, dass ich sie auf ihm einschläfern ließ. Was ein Mensch nicht alles für seinen Seelenfrieden so braucht.

Ich bin – aus Gründen unterschiedlicher Natur – nie dazu gekommen, den Stuhl neu aufpolstern und beziehen zu lassen. Was ich wirklich sehr gerne täte, weil ich persönlich der Meinung bin, dass er vom Aufbau her der coolste Ohrensessel unter dieser Sonne ist. Wenn ich richtig viel Geld hätte, würde ich mir nach seiner Vorlage noch einen Stuhl und ein dazu passendes Sofa bauen lassen. Habe ich nicht. Aber man soll seine Träume nie unter den Teppich kehren!

Persönlich liebe ich Ohrensessel. Früher lebte ich in dem Sessel meiner Großoma. Ich konnte mich darin fletzen, schlafen, träumen und vor allem stundenlang lesen. In diesem Ohrensessel war meine Welt für immer in Ordnung. Irgendwann warf meine Mum sie raus und kaufte sich eine neue Polstergarnitur. Seitdem ist meine Welt nicht mehr so in Ordnung.

Als damals Tally und Nishia bei mir einzogen, zogen sie beide zuallererst unter diesen Stuhl bzw. später auch auf diesen Stuhl unter die Decke. Dieser Stuhl hat nämlich magische Kräfte, die für Katzen sehr sinnvoll sind: Er macht sie unsichtbar. Aus Tallys Sicht hat er noch viel bessere magische Kräfte, denn ab und an konnte er Hände herbei zaubern, die frisches Hühnerfleisch vor eine sehr sehr ängstliche und fürchterlich traurige Katze hinlegten. Dieser Sessel machte Tally irgendwann so viel Mut, dass sie doch eines Tages beschloss unter ihm hervor krabbeln zu können, um den Rest der Wohnung und meine eine kennenzulernen.

Als ich nun umgezogen bin, sagten alle, ich solle den Stuhl zum Sperrmüll bringen. Konnte ich nicht. Allerdings wanderte er erst einmal in den Keller, weil er hier so in die Wohnung erst einmal nicht passen wollte. Vor allem, weil ich dort erst einmal kein Sessel- oder Couchelement mit Decke darüber haben wollte. Das Couchelement trägt nun übrigens dank einer Shiina eine Decke. Hier geht leider nur Leder. *seufz*

Der Sessel steht also im Keller.
Ich habe kein Geld, um ihn beziehen zu lassen.
Werde ich vermutlich nie haben.
Übermorgen kommt der Sperrmüll von der Hausverwaltung alle zwei Jahre organisiert.
Eigentlich müsste ich ihn dieser mitgeben, denn der Keller ist voll.
Aber es ist doch der schärfste Ohrensessel unter dieser Sonne.
Die Katzen lieben ihn. Ich auch.
Aber er steht im Keller.

Ich habe hier eine echte Stuhl-Krise. Danke fürs Zuhören!


P.S. Da in den Kommentaren Vorschläge zum Selbstbeziehen kommen. Das ist vielleicht sogar nicht das Problem. Aber das Polstern! Der Stuhl braucht neue Polster – und das kann ich wirklich nicht selbst. Trotzdem danke!

Getourt mit der Bio Company, Kuhcontent!

Eine Butterfahrt. Mit dem Bus. Ohne Zollgeschäfte. Dafür übers Land. Diesem schönen grün, saftig leuchtenden Brandenburger Land.

Die Bio Company lädt ein zu den von ihr organisierten Touren zu den Erzeugern der von ihr vertriebenen Bio-Produkte. Ein sehr schönes Ritual. Ich fahre dieses Mal mit zur Lobetaler Bio-Molkerei. Seit mir eine Freundin deren Joghurts empfohlen (Mango-Vanille ist ‘ne heimliche Liebe!) und von den besonderen Verpackungsstrategien erzählt hatte, bin ich Fan von den Lobetalern Bio-Produkten. Als es nun von der Bio Company beim Foodiemeetup Berlin hieß „Foodblogger, kommt doch mit!”, war für mich klar, welchem Produzenten ich einen Besuch abstatten wollte!

Die Tour am Pfingstsonntag startet mit kleinen Hindernissen, doch irgendwann sind wir auf Tour und genießen die Aussicht auf satt blühende Rapsfelder – bis wir die landwirtschaftliche Region von Bernau und somit das Gebiet der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal erreichen.



Dort, wo Pastor Friedrich von Bodelschwingh 1905 den „Verein Hoffnungstal für die Obdachlosen der Großstadt Berlin e. V.” gründete, um Obdachlosen der Großstadt eine Perspektive zu geben – indem er ihnen Arbeit und Unterkunft gab. Über viele Orte erstrecken sich dort heute soziale Einrichtungen, die Menschen mit Behinderungen, Suchterkrankungen, Senioren und pflegebedürftige Menschen in ihrem Alltagsgeschehen unterstützen. Viele der hier angesiedelten Unternehmen und die landwirtschaftlichen Betriebe ermöglichen ihnen eine berufliche Bildung und beschäftigen diese Menschen.

Dazu gehört auch die Lobetaler Bio-Molkerei. Sie liegt in Biesenthal, umgeben von einer grünen Idylle der ebenfalls zu den Stiftungen gehörenden Baumschulen. Der Bereichsleiter der Molkerei, Reinhard Manger, lässt es sich nicht nehmen, uns persönlich an seinem freien Tag durch die Molkerei zu führen. Zuerst dürfen wir uns über einen kleinen Snack freuen, bei dem mich vor allem der Lobetaler Frischkäse mit frischen Kräutern und einer feinen leichten Säure überzeugt. (Unbedingt testen!) Seine Assistentin wirft für uns sogar die Kaffeemaschine an.



Am Buffet ist sofort zu erkennen, wer hier Foodblogger ist und wer nicht: während zwei Personen noch versuchen, das dekorierte Buffet zu fotografieren, langen die anderen Teilnehmer bereits zu. Foodblogger sind halt anders komisch!



Schon geht es ab mit uns in die Hygiene-Schleuse, Manger stattet uns alle mit Einmalkleidung und für die Frisur tödliche Haarhauben aus, führt uns in die Käserei und erzählt uns zunächst über die Historie der Hoffnungstaler Stiftung und Lobetaler Bio-Molkerei. Der erste verbale Exkurs lässt uns in die Käsefabrikation einsteigen, die Technik der Käsewannen und dazu gehörigen Geräte. Behälter wird erläutert. Natürlich liegt an einem Sonntag die Produktion brach.



Mir tut es echt gut – in Zeiten von StartUps, zwingender Globalisierung dieser Unternehmen, ihren irrwitzigen Investments und großen Sprüchen – wenn Manger mit Stolz darüber spricht, dass es sich hier – und zwar ganz bewusst – um eine kleine Molkerei handelt. Eine, die kein Interesse daran hat, sich mit den Zahlen der großen Marktplayer jenseits der Bio-Schiene messen lassen zu müssen. Die Konzentration im Betrieb liegt auf der Entwicklung und Produktion guter Bio-Produkte und die Arbeit miteinander.



Reinhard Manger führt uns weiter durch die gesamte Anlage: Joghurtproduktion mit der Kühlung und dem Becherfüllautomaten sowie die große Lagerhalle und Kommissionierung.



Er erzählt uns dabei sehr genau, welche Arbeiten von den Arbeitnehmern z. B. von den Mitarbeitern mit Behinderungen, durchgeführt werden. Den Respekt den Kollegen gegenüber merkt man ihm an. Arbeitsprozesse sind hier z. B. in einfacher Sprache gehalten. Zu keiner Zeit hat man das Gefühl, die Menschen und ihre Arbeitsleistung würden nicht sehr geschätzt. Tatsächlich wird hier oft vom Mitarbeiter gesprochen, wenig von der Technik – die zweifelsohne beeindruckend blitzend existiert. Der Arbeitnehmer, der Kartons falten kann, ist genau so ein wichtiges Mitglied der Kollegenschaft wie der in der Produktion, denn ohne Kartons keine Konfektionierung.



Inklusion ist hier selbstverständlich. Es wird nicht immer einfach sein; nur es funktioniert offensichtlich – weil man es hier so will.

Manger erzählt sehr kritisch von den Nachwuchssorgen, die (nicht nur) die Molkerei hat. Dass heute junge Menschen mit dem Arbeitspensum in einem Lehrberuf nicht mehr klar kommen. Wir erfahren von ihm, die wohl aufreibendste und die meiste Arbeitszeit bindende Aufgabe in der Molkerei die Hygiene ist. Und er geht uns gegenüber offen mit den Zahlen der Molkerei um, spricht kritisch von einer Konkurrenz, die nicht in Bio-Qualität produziert. Direktheit auch im Umgang mit Produkten, die nicht so am Markt angenommen werden, wie erhofft.



Es ist ein sehr intensiver und interessanter Besuch vor Ort – leider spaltet sich spürbar das Interesse der gesamten Gruppe zu diesem Zeitpunkt. Für die immer intensiveren, somit zunehmend spannenderen Fragen einiger Teilnehmer, möchte der andere Teil der Gruppe an dieser Stelle kein Interesse noch Verständnis mehr aufbringen. Zurück in die Bequemlichkeitszone.



Interessant – für mich – an der Stelle der Einwurf einer Teilnehmerin, dass das von Lobetaler Bio-Molkerei produzierte Ayran „wohl zu teuer” sei. Ein 200 g-Becher kostet 69,— Cent. In Bio-Qualität. Ich kenne die Preise vom befreundeten türkischen Supermarkt, so erschreckt mich das Argument. Sind wir soweit? Darf „Bio” nichts mehr kosten?

Wir lernen, dass der in Kundenkreisen heiß umworbene Joghurt-Deckel des Lobetaler Bio-Naturschutzbechers, im Fachjargon „Platine” genannt wird. Über ihn, wie auch über eine besondere Joghurt-Auswahl, dürfen wir uns in einem an uns alle überreichten Goodie-Bag freuen. Und womöglich heißt mein neuer Lobetaler-Lieblingsjoghurt im Sommer jetzt „Zitrone”. Mit Zitronenschalenstücken – einmalig gut!

Unser zweiter Stopp an diesem Tag nur wenige Kilometer weiter – dieses Mal wirklich in Lobetal – ein Landwirtschaftsbetrieb. Dort, wo alle zwei Tage der Tanklaster die Milch der Kühe für die Molkerei einsammelt, können wir uns einen Eindruck vom Leben der Milchkühe und Aufzucht ihrer Kälber machen.

Dr. Hans-Günter Hartmann ist landwirtschaftlicher Leiter und zeichnet sich auch für den gesamten Ackerbau der vier biologischen Landwirtschaftsbetriebe verantwortlich. Sein Betrieb in Lobetal wurde 2010 als Ökobetrieb anerkannt.



Auf einer knapp 1.000 ha großen Betriebsfläche, Forst und Wasserflächen eingerechnet, wird das Futter für die Kühe selber angebaut und an die 369 – naja, wenn diese junge Dame hier mittlerweile ihre erstes Kalb geboren (abkalben) hat,



sind’s 370 Rinder insgesamt, verfüttert. Dafür fließen dann ca. eine Million Liter Milch pro Jahr zur Abgabe an die Molkerei.



In der Futterhalle erklärt uns Hartmann den Futteranbau und wir können ein bisschen im Roggen, Hafer und den „hochprozentigeren” Leckereien wie Erbsen, Lupinen und Mais wühlen. Futter, das mit dem Gras aufbereitet – mit Hilfe einer solch imposanten Futtermischmaschine – den Kühen angereicht wird.



Die Haltung der Milchkühe erfolgt auch im Stall möglichst artgerecht – die Ställe sind soweit es geht offen und zugig, die Kühe tragen offensichtlich noch etwas Winterwolle im Fell. Die noch sehr jungen Kälber machen Faxen mit uns, die Färsen sind an uns interessiert, verschmust und bringen uns irgendwie telepathisch clever dazu, ihnen das für sie nicht mehr erreichbare Futter vom Gang wieder in Maulnähe zu schieben.



Eine Halle weiter stehen die Milchkühe, die auf den zweiten Melkprozess des Tages warten. In Lobetal werden täglich 1.000 Liter gemolken, aus den Betrieben der Nachbarschaft kommen 3.000 Liter hinzu. Drei Kühe werden gleichzeitig persönlich von der Melkerin im Raum empfangen und an die Melkmaschine gehängt. Kurze Zeit später stürzen sie sich wieder an die belohnenden Futtertröge.



Wir selbst stürzen nach draußen und bekommen etwas Kuchen und von Dr. Hartmann am Tag frisch gezapfte, gekühlte Milch zur Verkostung serviert. 4,2 Prozent Fett soll sie haben! Dabei schmeckt sie kein bisschen fettig, ganz im Gegenteil, leicht und gänzlich ohne Beigeschmack von etwaiger Verpackung. Wirklich lecker!



Auch hier finden in den landwirtschaftlichen Ökobetrieben zu den zwölf Mitarbeitern weitere acht Kollegen mit Behinderungen Arbeit. Dr. Hartmann erklärt uns ihren Einsatz je nach persönlicher Eignung und erzählt – nicht ganz ohne Stolz – wie besonders die Menschen mit ihren Kühen umgehen – und wie gut ihnen die landwirtschaftliche Arbeit, die ihnen die für sie wichtige Routine offenbart, von der Hand geht.

Alles in allem war das ein sehr informativer Tag und es war eine Freude, das besondere Engagement von beiden Produzenten für ihre biologischen Betriebe – in einem gelebten Umfeld der Inklusion – ein wenig nachempfinden zu dürfen.

2016-05-22

Krault. Mehr. Fledermäuse. Einself.



Für mehr Weltfrieden, Österreich.

2016-05-21

Informiert mit deutschen Medien

Kleines Beispiel für knapp dran und doch vorbei informiert. Donnerstag war das Thema bei Maybritt Illner „Rentner der Zukunft.” Die hatte ich gesehen und fand dass von den einzelnen Teilnehmern teilweise – wie immer – außerordentlicher Stuss geredet wurde, von anderen wiederum viel Wahres.

Dann einen Tag später begegneten mir in den Medien merkwürdige reißerische Überschriften, immer wieder, denen ich aber nicht weiter Beachtung schenkte, denn ich hatte ja die Sendung gesehen und musste nicht wirklich deren Inhalt noch einmal nachlesen. Aber ich wunderte mich, weil eben die reißerischen Meldungen so gar nichts gemein hatten mit dem, was ich gesehen hatte. (Wenn jemand zitiert wird – ohne es offensichtlich gesagt zu haben, dann wirkt das schon schräg für ein journalistisches Organ. Jedenfalls sofern es sich als etwas anderes verstanden sehen will als ein Stammtisch an dem die eine oder andere Person im Bierwahn verbal geschlachtet wird.) Interessanterweise begegnete mir diese gefühlte Falschaussage gestern im Laufe des Tages im Internet und am Zeitungsstand immer häufiger.

Lange Rede, Sascha Lobo, dem die falschen Aussagen in den Mund gelegt wurden, kommentiert das Ganze aus seiner Sicht „Bild spint und alle spinnen mit” – leider nur auf Facebook.

Und Stefan Niggemeier amüsiert uns zum Thema bei den Übermedien „Wie man eine Talkshow bespricht, ohne sie gucken zu müssen.” Zitat: »Der Autor des Artikels lebt in Kambodscha und macht von dort aus gerade die Nachtschicht bei der „Huffington Post“. Die vermeintliche „Maybrit Illner“-Zusammenfassung war der sechste Artikel, den er am frühen Morgen deutscher Zeit für die „Huffington Post“ geschrieben hat – in Kambodscha ist es fünf Stunden später.«

Viel Spaß beim Lesen!

2016-05-19

Ich, der personifizierte Albtraum

Ich kompensiere schlimmen kleine bunte Katze ist sehr krank-Herzschmerz (nichts Genaues weiß man noch nicht aber sie mag nicht mehr fressen und hat binnen drei Wochen fast ein ganzes Kilo verloren) indem ich neuerdings wie die piefige Alte junge Dealer hier vom Hof schmeiße.

Ich wohne – dank der hervorragenden Drogen-Politik des Berliner Innensenators Henkel (aka null Ahnung vom Tun) – im neuen aufstrebenden Dealer-In-Bezirk. Ihr wisst schon, woanders machen sie die Schoten dicht, dafür ignorieren sie die frisch auflodernden Flammen nicht weit vom alten Umschlagplatz erst einmal ein paar Jahre lang, bis es sich zur echten Katastrophe auswächst. Same old Polizeistory.

Ich wohne also mittenmang zweier Stationen einer U-Bahn-Linie in der und auf deren Bahnhöfen massiv gedealt wird, was die BVG auch kompetent seit Jahren massiv ignoriert. Und immer dann, wenn dann doch mal Razzia auf einem der Bahnhöfe ist, treffen sich die Jungs von der kapitalistischen Pulverfront bei uns auf dem Privatgelände, wo es so schön grün und abgeschieden ist. Ist nicht weiter tragisch, hat bloß zur Folge, dass hier die Beschaffungskriminalität stetig zunimmt (Einbrüche, Taschendiebstähle, Typen auf Droge, die Frauen abstechen), man gelegentlich die Junkies aus dem Keller an die frische Luft setzen muss – idealerweise bevor sie sich 'ne Überdosis in jenem welchen setzen oder den älteren Damen im Haus eins überziehen. Bevor man die Kinder in die für sie vorgesehenen Spielstädten entlässt, guckt man auch besser vorher noch mal nach Tüten mit Pülverchen oder spitzen gebrauchten Gegenständen. Die üblichen Freuden einer Großstadt. Nur, dass unsere Wohnanlage eigentlich nicht so richtig Bock darauf hat zum neuen Görlitzer Park zu werden.

Irgendein Nachbar sorgte dafür, dass ein Durchgang an unseren Häusern vorbei über (s)eine Wiese nicht mehr ermöglicht wurde, in dem er die Genossenschaft zwang dort einen Zaun zu setzen. Es waren ihm nämlich zu viele zwielichtige Gestalten unterwegs. Das war insofern eine prima Aktion, weil jetzt dort sehr ungestört die zwielichtigen Gestalten zwar nicht mehr durchgehen können (naja, ich hüpfe selbst im Rock noch in meinem Alter lässig über das Zäunchen), sie dafür dort aber nun schön in der nun mehr abgeschiedenen Ecke abhängen. Alternativ halt dort besonders ungestört die Regenrinnen hochklettern, um bei den Nachbarn über den Balkon in die Wohnungen einzusteigen. Denn: kommt ja nun keiner mehr vorbei sie stören!

Kurz: wie man so offensichtlich in einer solchen Gegend mit solchen offensichtlichen Problemen dem Gesindel eine ganz besonders hervorragende Gelegenheit und Ecke zum Dealen schaffen konnte, das muss der Genossenschaft erst einmal nachgemacht werden.

Nun bin ich bei Drogen echt spießige Zicke. Mir ist egal, ob sich Leute dumm kiffen oder tot spritzen oder das Gehirn mit Partydrogen wegschießen – aber nicht vor und auch nicht hinter meiner Haustür. Nicht in meiner Wohnanlage, wo zum Glück in den letzten Jahren viele Kinder eingezogen bzw. überhaupt geboren wurden. Ganz doofes Pflaster für solch' einen Shit. Die Leute sollen sich den Scheiß kaufen, wo sie wollen und sich das Hirn wegdröhnen – nich' in meiner Hood!

So kommt es, dass ich, wenn ich sehe, dass auf unserer Bank (steht in direkter Sichtlinie zu meinem Balkon) gerade wieder Tütchen getauscht oder Pfeifchen gerollt wird, mir den Spaß erlaube und herunter gehe und die Leute anspreche und höflich frage, warum sie sich eigentlich gerade die Bank ausgesucht haben (die immerhin auf einem privaten Gelände steht)? Meistens sind das ganz nette Gespräche, denn im Grunde wissen die (es sind vorrangig Jungs) ziemlich genau, dass sie da semi-coole Dinge tun aus juristischer Perspektive und verschwinden auf den höflichen Hinweis, dass das hier kein öffentliches Gelände ist und dass wir Nachbarn solche Geschäfte hier nicht dulden können, weil wir die Kinder hier schützen wollen, schnell und unkompliziert ihres Weges.

Manchmal kommen sie einem blöd, sind dann allerdings meist die kleinen mit anwesenden Teenagermädchen. Geschenkt.

Neulich aber habe ich einen ganz netten Dialog gehabt. Er (schon den Joint in der Pfote) „Aber wenn hier jetzt ein Kind käme, dann würde ich den doch sofort wegtun.” „Wenn Du ein Kind siehst, bist Du schon so stoned, dass Du gar nichts mehr raffst, dass da ein kleines Kind kommt” Hat er auch nicht wirklich widersprechen können.

In den letzten 24 Stunden habe ich mir den Spaß erlaubt lediglich drei (!) Dealer aus der besagten – und ich muss es noch mal betonen – im Grunde für den Job des Dealens von der Genossenschaft perfekt geschaffenen Ecke – mal höflich, mal genervt, mal sehr still (in dem ich mich einfach nur an das ca. sieben Meter entfernte Mülltor gelehnt dem jungen Mann zugucke, wie er eine qualmt und sein Date am Telefon verschiebt, weil ihm da so eine doofe Alte am Mülltor gelehnt höflich still aber aufdringlich dabei zuguckt, wie er in der Ecke steht und eine qualmt …) – zu verweisen.

Die Müllgucknummer war heute insofern besonders bonfortionös, weil dann noch zwei Nachbarn dazu kamen und wir ihn dann zu dritt plus zweier Hunde den Platzverweis sehr still aber glotzend aussprachen. Gestern habe ich einen der Jungen gefragt, was er denn da so täte? So alleine in der Ecke, hinter dem Baum versteckt … denn auffälliger blöder ging's echt nicht.

„IIIIICH????” *superpseudounschuldigzurückfragt* „Gar nichts. Ich rauche hier nur.”
„Ach? Und dazu musst Du Dich in so einer Ecke verfranzen und hinter einem Baum verstecken?”
„Wat denn, darf ich das nicht?”
„Klar doch, wenn Dein Mumm zum auf der öffentlichen Straße rauchen nicht ausreicht. Aber was Du hier nicht darfst, ist zu dealen.”
„IIIIIICH??? Ich DEALE doch NICHT!”
„Super, dann bist Du vielleicht bloß einer von den anderen Ärschen, die hier die Wohnungen für Einbrüche ausspionieren?”
*brichtdielustigeUnterhaltungabundverschwindetschnelleralsderWind*

Ich glaube, ich habe 'nen neues Hobby!