2016-08-20

Nachdem …

… mir die wundervolle Maike (Tierärztin!) gestern die Fäden aus meinem kleinen Finger höchst professionell und im Grunde ganz schmerzfrei entfernt hatte, habe ich soeben mit dem gleichen Messer beim Brötchen aufschneiden nur ganz leicht den Daumen an der gleichen Hand tangiert.

Hatte ich erwähnt, dass ich diesen Monat wohl besser nicht mehr Fahrrad fahren werde?

2016-08-16

Pause wegen …

... dummes Katze-Rechner-Kaffee-Event mit unschönen Folgen für den Rechner.

2016-08-09

Sonntägliche Freizeitgestaltung

Hat man Sonntags nichts Nennenswertes vor, kann man schlicht einfach nichts tun. Man kann aber auch sein Frühstücksbrötchen, das man quer teilen möchte, mit den rattenscharfen Brotmmesser von Sabatier nicht quer teilen, weil man dumm von der Kruste abrutscht und alternativ den kleinen Finger quer teilt. Kann man so machen. Kann man aber auch prima sein lassen – wäre meiner Erfahrung nach der Profitipp an Euch.

Man kann dann einen Blick auf den sich schnell erst mal blau färbenden Finger werfen und denken „Mist, das war jetzt wohl eher uncool", bis man schnell zum Küchentuch greift. Fast gleichzeitig mit dem ersten spritzenden Blut und mehrfache Fingerumwicklungsversuche ratz fatz durchblutet, so dass selbst die im Druck geübte und überhaupt in Angesichts von Blutmengen – selbst bei den eigenen – erstaunlich souveräne Ex-Arzthelferin leicht ins Grübeln kommt, ob sie aus der Nummer halbwegs gut alleine raus kommt.

Dass der Schnitt genäht werden muss, ist bereits auf dem ersten Blick klar. Der Schnitt geht deutlich tiefer als alles, was ich mir früher an Schnitten so zufügte, wäre aber von mir gerne auf den Montag verschoben worden. Denn Sonntag heißt Notaufnahme und wer will schon in die Notaufnahme solange der Kopf nicht unterm Arm hängt und das Herz noch tickt? (Die erste Idee, Omas Nähmaschine zu beauftragen – einfach nur, um mich in der Misere lustig zu stimmen – doch verworfen, weil Technik gar keine Blutbäder mag. Angeblich.)

Dann nach einer Stunde und diversen Blutstillversuchen und nun doch aus Trotz einem Frühstücksbrötchen (für'n Kreislauf, hilft ja nix) den Weg ins Krankenhaus angetreten. Man weiß ja nie, wie viel man von der roten Suppe in Reserve hat und überhaupt sieht so ein Schnitt eher gruselig aus als die Sorgen beruhigend und wenn man sich schon dem Unangenehmen fügen muss, kann man das ruhig gleich tun.

Der erste Spaziergang führt ins Urban-Krankenhaus. Das kennt man, es ist fußläufig zu erreichen und die Cafeteria ist gut bestückt, die Lage der Gäste-WCs ist auch bekannt. Dort stapeln sich allerdings die Patienten im Wartezimmer und es sind mir ein paar zu viele von den „auf Methadon-Turkey”-Freunden anwesend, die das Warten noch anstrengender machen als es eh schon ist. Also wieder rückwärts raus gegangen und das freundliche kleine Krankenhaus in Mitte heimgesucht, das mit den Nonnen am Empfang und der Heiligen Hedwig im Namen. Dort wartet tatsächlich nur ein Pärchen im Warteraum, nebst einigen vom Krankentransport angereichten Patienten in der Behandlung und ich bin schon nach nur 30 Minuten dran. Da hatte ich noch nicht mal das „Goldene Blatt”, „Neues Gold” und die Tageszeitungen als auch meine zwei in meiner Tasche befindlichen Bücher (die kluge Notaufnahme-Gängerin baut vor) noch gar nicht ausgelesen.

Dem freundlichen jungen Arzt erkläre ich mein dummes Tun und versichere ihm der Nähte würdig zu sein, den schließlich ist es mir mehr als peinlich solche Umstände zu machen, nur wegen so einem lapidaren Schnitt und dann noch auf einen Sonntag und überhaupt und … *seufz*

Der wickelt dann den Finger aus, der sich nach stundenlangem Hochhalten etwas zurück genommen hatte in seiner Rumbluterei (und wo zur Hölle ist die blaue Ersatzflüssigkeit, wenn man sie mal braucht?) und erklärt nach einem Blick auf das in Ober- und Unterhälfte lustig verschobene Ding: „Das muss genäht werden!” „Jo”, sage ich, ihn insgeheim für die von mir schon vor ca. anderthalb Stunden getroffene Diagnose bewundernd, „deswegen bin ich hier.”

Er geht dann raus und organisiert steriles Tuchmaterial und bestellt Nadeln und Garn. Was alles nicht so sexy klingt, denn schließlich bestellt er das für mich bzw. für meinen kleinen Finger, den ich jetzt kurzfristig gerne zur Adoption frei geben möchte. Als sie mit dem ganzen Kram zurück kommen, mich umbetten („Ach, ich halte das auch im Sitzen aus.” Aber die glauben einem ja nie.) und sich hübsch verpacken, dann das sterile Zeug auspacken, spielt im Hintergrund in einem Fernseher die Deutsche Nationalhymne. Und hey, mehr kann man von so einer blöden Situation nicht verlangen. Außer, dass der lustige Arzt zur Krankenschwester spricht: „Holen Sie mit bitte einen Mundschutz. Falls es spritzt.”

Die Ahnung, dass die große Spritze mit dem vielen Betäubungsmittel wohl in meiner Fingerkuppe landen wird, wird durch den in Rosé gefärbten Kanülenaufsatz auch nicht angenehmer und richtig, nachdem man meinen kleinen Finger hübsch in steriles Papiergut verpackt, während ich neben ihm auf dem Bett rumlümmele, macht der Arzt sich daran spitze Gegenstände rund um die Fingerkuppe meines kleinen Fingers zu spritzen, dann am Übergang zur Hand gefühlsarm zu legen – und ich … mag es einfach nicht. Meine Fingerkuppe mag es auch nicht. Aber hilft nichts. Wir sind hier nicht zum Spaß. Offensichtlich.

Ich denke an mir bekannte Menschen, die nicht mal Spritzen sehen können, geschweige denn gesetzt bekommen wollen. Denke an den kleine Großcousin, der diese Woche eine viel unangenehmere Krankenhausbehandlung erfahren wird als ich und versuche im Geiste für ihn besonders tapfer zu sein.

Dann fängt er an zu nähen und mein Finger fängt wieder an zu bluten. Die Krankenschwester tupft und er ordert weitere Nadeln und Fäden nach und arbeitet sich von rechts nach links außen, wo die Nadeleinstiche höllisch weh tun, gleichfalls das Knoten fest ziehen und im Grunde hätte er sich auch das Betäuben echt sparen können, weil ich eigentlich doch noch alles prima spüren durfte. Meine Freude als er mich fragt, ob das ein stumpfes Messer gewesen wäre, denn vorne seien die Nähte wieder ausgerissen (ich beschrieb am Anfang das Brotmesser mit Wellenschliff, das aus irgendeinem Grund im Arztbericht zu einem Cuttermesser wurde) und erkläre ihm die Methodik eines Wellenschliffes.

Na, wie dem auch sei. Man kann sich mit solchen Messern prima schneiden, muss dann aber im Nähvorgang damit rechnen, dass sich die ersten Nähte direkt wieder frei machen, wenn hinten fertig genäht und … ähem … die hinteren Nähte schon nicht mehr halten, wenn vorne zum zweiten Mal Nähte gestochen werden. Ich mache einen Witz wie: „Na dann vielleicht doch die Nähmaschine mit Zickzack-Stich nehmen” … aber dieser Arzt flickt mich lieber wieder weiter – anstatt meine blöden Witze angemessen zu honorieren. Mehr Kanülen in Fingerkuppen, mehr Nadeln in zerschnittene Finger, mehr elegant tapferes Ausatmen nach Kampfsportart im Moment des fröhlichen Schmerzes meinerseits, mehr Nähte, mehr Spaß.

Apropos Spaß, als ich mir das Schlachtfeld so angucke und zur Auflockerung der Situation scherzhaft anmerke: „Na wie gut, dass wir alle drei Blut sehen können.”, gucken ein Arzt und eine Krankenschwestern mich sofort in leichter Panik an. Ich finde, die reagieren etwas überzogen auf einen harmlosen Spruch und versichere ihnen etwaige Kreislaufaussetzer anders anzudeuten. (Alles Memmen.) Auch als ich, der Doc erzählt mir, ich solle in sieben bis zehn Tagen zu meinem Hausarzt, niedergelassenen Chirurgen, wer halt so Fäden entfernt – macht eine Pause in der ich schnell einfüge „also zum Tierarzt?” – gehen, findet er nicht annähernd so lustig wie ich. (Ich indes finde den Witz heute noch super und könnte mich beömmeln darüber.)

Ich bekomme nach gut einer Stunde Nähsession einen Verband, der sich erst mal ein paar Scheiben abschneiden hätte können von meinem eigenen, den ich mir vorher selbst angelegt hatte, erhalte einen Arztbrief in dem steht „linker Dig V: ventral 2 cm lange sichelförmige klaffende (klaffend trifft's echt gut) Wunde, ca. 0,5 cm proximal der Nagelspitze. Naht mit 5 adaptierenden Einzelknopfnähte.” Einzelknopfnähte – wie schön ist das denn? – sind dann aber beim Nachzählen doch sieben (plus vier zusätzliche) Nähte, ganz schön viel für so einen kleinen Finger. Und schwirre ab nach Hause mit leichten Suchterscheinungen eines Kaffeeentzuges im geschröpften Blutkreislauf.

Ach übrigens: Doktor Ross arbeitet gar nicht mehr in der Notaufnahme.

2016-08-03

Auch beim Bloggen gilt: selber nachdenken hilft!

Im Moment wird gerade Googles Blogdienst Blogger.com (also der Service bei dem dieses Blog gerade läuft) ein bisschen durch die mediale Welt als vermeintliches Untier geschliffen. Kurze Geschichte: Künstler publiziert seine Kunst in einem Blogger-Blog, haut ein ein paar Inhalte raus, die offensichtlich gegen die Veröffentlichungsrichtlinien des Blogservices verstoßen haben und irgendwann hat Google das Blog halt dicht gemacht.

1. Google spricht/mailt einen an, wenn das Unternehmen selbst oder Dritte Probleme mit Inhalten auf den Blogs hat und gibt Zeit bis zur Reaktion (im Zweifelsfall fordert Google auf Inhalte zu entfernen.) Das weiß ich aus eigener Erfahrung.

2. Wer von seinen Bloginhalten, insbesondere wenn er meint, sie haben künstlerischen Wert, kein BackUp macht. Ja, sorry. Dem ist nun auch nicht zu helfen. Zumal 'nen Backup ziehen bei Google wirklich easypeasy ist, nämlich:

Beim Blog ins Dashboard -> Einstellungen -> Sonstiges -> Importieren/Sichern -> Sichern -> Auf PC sichern.

Schwer ne? Kommt übrigens eine .xml-Datei bei heraus, die sieht für mein Blog sehr gut aus. (Sollte man ab und an eben ziehen, nicht nur bei Blogger auch wenn man bei anderen Hostern unterwegs ist.)

3. Wenn ich mich mit meinen Inhalten als Schriftsteller definiere, wären diese Inhalten nicht generell unter eigener Domain und eigenem Server besser aufgehoben?

4. Nee, also so richtig mag ich hier nicht in das presseseitige Geheule mit einstimmen können.

Wenn man bei Google übrigens seinen Account löscht und somit alle von Google verwendeten Dienste mit abwählt, wie z. B. ein Blog, hält Google alle Daten noch sechs Wochen vor und informiert auch von Zeit zu Zeit darüber, dass es demnächst wirklich alles löschen wird.

2016-08-01

Wenn Menschen fragen …

thurweg schreibt im Blog „Demenz für Anfänger”, dass sie immer wieder gefragt würde, warum sie überhaupt bloggen würde und über die demente Oma schreiben würde. Und sie schreibt dann: Ich gebe mir bei dieser Frage Mühe, keinen Wutausbruch zu kriegen.

Das verstehe ich nun allerdings nicht, warum so eine Frage überhaupt ein Grund ist, einen Wutausbruch zu bekommen?

Viele Menschen verstehen die Welt des Bloggens und seine Technik nicht. Sie ist ihnen nicht nahe, um dieser Welt näher zu kommen, sie zu verstehen, fragen sie nach. Daran ist nichts Schlimmes, ganz im Gegenteil.

Vielen Menschen ist nicht verständlich, warum andere Menschen mit intimen Gedanken und Erleben in eine – für sie eventuell als so empfundene anonyme Welt – nach draußen gehen, sich mitteilen. Umso besser, wenn sie dann nachfragen und man ihnen es erläutern kann.

Ich hatte in der vergangenen Woche aus organisatorischen Gründen im neuen therapeutischen Treffpunkt (Ihr wisst schon, der PGL, Plan für Glück und Lebensfreude, hier Stichpunkt: Gesundheit) zwei Gesprächsstunden hintereinander. Und natürlich hatte ich davon erzählt, von dem Suizid, der mir so nahe gegangen ist, von meinem Text, der für mich ein Stück weit im Schreiben therapeutisch war – und vielleicht bei denen, die ihn gelesen haben, etwas bewegt hatte. Und so kamen wir auf dieses Bloggen, auf die Szene zu sprechen.

Wir sprachen (meine Gesprächspartnerin ist, was diese Medien anbelangt – wie sie selbst zugibt – ganz unbedarft) fast eine Stunde lang darüber, was dieses Bloggen für mich bedeutet, was ich damit erlebe, immer wieder. Wie gut es mir tut, Dinge, die mich bewegen in Wort und Bild rausfließen zu lassen. Wie mich Bestätigung weiter trägt, die Fürsorge, die einen in der Blogszene oft umfängt, das Verständnis. Die kleinsten Zeichen für Trost. Das Hinterfragen, das einen oft aus einer gedanklichen oder emotionalen Misere holen kann. Einfach weil jemand so zeigt, dass man da ist für den anderen und Interesse an dessen Wohlergehen hat. Wie sehr mir durch das Bloggen in allerdunkelsten Stunden geholfen wurde von mir völlig unbekannten (oder mittlerweile auch bekannten) tollen Menschen. Wie gut es tut, Zuspruch zu erfahren, wenn Menschen ihre Erfahrungen mit mir teilen, mir das Gefühl geben mit meinem Schmerz, meinen Sorgen – aber eben auch mit meinen Freuden – nicht alleine zu sein.

So traurig ich in dieses Gespräch gegangen bin, so anstrengend die zwei Stunden auch waren, so froh und wieder einmal in der Überzeugung reich beschenkt zu sein durch dieses „Bloggen” (und meinem Talent, die Dinge aufschreiben zu können) bin ich dann aus diesem Gespräch heraus gegangen. Manchmal nimmt man im Lesen, manchmal gibt man im Schreiben. Das ist die hohe schöne Kunst des Bloggens. Und mir ist dadurch wieder einmal klar geworden, wie reich beschenkt wir Blogger uns doch fühlen können. Ich war in diesem Moment jedenfalls sehr glücklich. Mir ist es wieder einmal klar geworden und dadurch einiges wieder leichter geworden.

Meine Gesprächspartnerin war im übrigen sehr fasziniert und positiv überrascht von dem, was ich ihr aus zehn Jahren Blogerfahrung erzählen konnte. Es sind ja auch die persönlichen Treffen, diese re:publicas, barcamps oder anderen Bloggertreffen, die uns so viel sozialen Halt geben. Echte, tiefe Freundschaften, die entstanden sind. Sie hatte verstanden, dass Bloggen eben keine reine virtuelle Sache bleiben muss.

Das kann nicht jeder verstehen. Wer dem Thema Blog nicht nahe steht, schon mal gar nicht. Noch einmal: Wie gut, wenn diese Personen nachfragen.

Es ist aber nun wirklich kein Grund deswegen wütend zu werden.

Liebe C.,

auch Dir ein sehr herzliches Dankeschön für das schöne Geschenk, es ist bereits angelesen!

Lieber H.P.,

vielen lieben Dank (auch im Namen von Tally) für die hilfreiche Spende!



(Ich hatte mich etwas erschrocken als abends um acht Uhr ein DHL-Mensch bei mir klingelte. Ich bin zu alt für so modernen Lieferservice.)

2016-07-31

Leave me alone please!

Nun könnte man natürlich entschuldigen, der Typ, der mir gestern früh über den halben Bahnhof vom U-Bahnhof Moritzplatz zu rief: „Ey, zieh doch mal Deinen Rock hoch!”, war voll auf Droge.

Wenn ich meinem ersten Impuls gefolgt wäre, nämlich dem Idioten einfach mal zwei Finger in die Augen zu stechen, hätte es wieder geheißen „Was denn? Darf man denn heute nicht mal mehr mit Frauen flirten?”

Nein, ein sexistischer Arsch will eben nicht nur spielen. Er will üblicherweise das andere Geschlecht bloß stellen, demütigen und verletzen. Nie auf seine eigenen Kosten.

2016-07-28

Gestern beim Tierarzt …

… die kleine bunte Katze hat mal wieder Magen. Kommen wir aus der Behandlung und warten auf die Rechnung, sitzt da eine Frau mit ihrem Hund im Wartezimmer, er groß, im radikalen Sommerschnitt, sonst Lockenansatz in Schwarz-Weiß. Ein Träumchen von einem Hund. Sie sitzt auf der Bank, er sitzt vor ihr. Guckt sie an. Und sie dirigiert ihn nur mit ihren Blicken in Richtung: „Sitz!”, „Platz!” Der Hund ist gut in Bewegung, sie spricht kein Wort und jedes Mal, wenn er ihren Blick richtig deutet und macht, was sie wollte, gibt's was aus der Tüte. (Es gibt oft was aus der Tüte.)

Tally und ich gucken ihr eine Weile zu. Sie ahnt die unausgesprochene Frage. (Mein Blick!) Und sie erklärt mir, das wären Sensibilisierungsübungen. (Ich denke so bei mir, das sind Wahnsinnsübungen 4.0.) Und antworte ihr dann nur trocken:

„Kenne ich. Kennen wir Katzenbesitzer auch. Sehr gut sogar. Das machen die Katzen immer mit uns. Also … uns angucken und wir reagieren.”