2013-01-29

Verlogen sind wir doch allemal …

Wir hier, die wir im Internet immer so schön aktiv, politisch denken, menschlich kommentieren, lauthals nach Änderung schreien und immer noch vor dem Zahn der Zeit argumentieren. Warum ich das denke? Weil ich mich ärgere, sehr sehr ärgere. Über uns alle.

Wir waren dieser Tage mehr oder weniger alle ein wenig Part dieser Aktion #aufschrei und sind es noch. Die Ursachen, warum es zu so einer verhältnismäßig großen Gegenreaktion kam, die sehr schnell auch von den anderen Medien aufgenommen wurde – weil sie in der Größe nicht mehr zu ignorieren war – sind subjektiv sehr vielfältig.

Für mich gesprochen war es weniger das, was Brüderle da möglicherweise gesagt hatte, es war vor allem das Verhalten seiner Parteikollegen. Die männliche Clubsolidarität der (Frauen muss man bei der FDP mittlerweile mit der Lupe suchen) Club-Bonzen, die dem armen alten Mann Brüderle sofort zur Seite sprangen – und den Mann damit unnötig mehr schädigten. Ihrer geschlossenen Meinung nach dürfe man doch jemanden, der sich zu den Vorwürfen lediglich ausschweigt, nicht vorverurteilen. Aber interessanterweise durften sie ihn sehr wohl verteidigen! Vor allem spielten sie gekonnt den Ball an die Frau zurück, die sich als Betroffene outete. Falscher Zeitpunkt der Veröffentlichung, kein Fair Play und überhaupt, was kann sie auch nicht über Witze alter Herren lachen?

Und wie fies von einer jungen Frau, den alten Mann zu fragen, wie es sich anfühlt, nun noch mal in die Startlöcher seiner Partei geschickt zu werden – in seinem Alter? (Eine für mich sehr legitime, wenn sicherlich direkte Frage, die völlig logisch aus dem Handeln dieser Partei entsprungen ist, hatte diese doch im letzten Strukturwechsel ausschließlich noch auf die jungen politischen Nachfolger gesetzt.) Und schlussendlich, was hat so eine junge Frau eigentlich nachts um vierundzwanzig Uhr noch an der Bar zu suchen, wenn sie sich mit den Gepflogenheiten der Machtpolitiker nächtens nicht auseinander setzen möchte?

Natürlich ist das Maß für mich auch voll, aufgrund der Wahrnehmung dessen, was in den vergangenen Wochen in Indien passiert ist.

Mein persönlicher Hauptgrund, warum einfach Schluss mit lustig sein sollte in diesem Land ist dieser Gerichtsspruch in 2012 gewesen in dem ein doppelt so alter (!) Vergewaltiger frei gesprochen wurde, der nachweislich ein 15jähriges Mädchen vergewaltigt hatte, weil dieses Mädchen sich nach Ansicht der Richterin nicht genug gewehrt habe. Ihr „Nein” war nicht genug Gegenwehr gegenüber einem Mann, der dem Mädchen bereits als körperlich brutal bekannt gewesen war.

Die Wut und Aggression, die ich hierbei immer noch verspüre, kann ich gar nicht beschreiben.

Das sind meine Gründe, warum ich #aufschrei als immens wichtig erachte. Und dennoch erscheint gerade diese Aktion als zynisch verlogen: gestern wurde in Berlin eine Frau vergewaltigt. Von mehreren Männern, also mehrfach. Die Frau wurde schwer verletzt, so dass sie zeitweilig in Lebensgefahr schwebte. Es heißt „Den Beamten habe sich ein eindeutiges und erschütterndes Bild geboten.” Die Frau war eine Obdachlose. Der Spiegel schaltet in seinem Artikel lieber die Kommentare gleich aus. Und hier in diesem unseren Internet findet der Vorfall gar keine Beachtung.

Ich habe ihn gestern sehr bewusst einmal nicht auf Twitter verlinkt, weil ich weiß, dass dort das Thema „Armut in Deutschland” ganz gerne ignoriert wird. Ich tue so etwas nämlich sehr oft, daher kenne ich die Reaktionen. Also die Nichtreaktionen. Und gerade wegen #aufschrei habe ich mir angucken wollen, wie auf diesen Fall – der aufgrund seiner Schwere auch über Berlin hinaus mediale Resonanz fand – reagiert wird. Nichts. Eine einzige mir bekannte Bloggerin, machte den Fall im Web bei Facebook mit einem eigenen Kommentar heute publik, dort gab es einige Kommentare, geteilt wurde der Artikel nicht. In einer Zeit, in der sich unserer webmedialer Zenit um eine Aktion #aufschrei dreht, haben wir keine Stimme für eine vergewaltigte Frau ohne Wohnsitz in Berlin?

Gestern retweete ich und poste ich auf Facebook eine Meldung zu der Agenda der Sitzung des Bundestages für diesen Donnerstag. Es steht die erste Beratung an zur Änderung des Gesetzes der Prozesskostenbeihilfe sowie zu der Begrenzung der Aufwendung der Prozesskostenbeihilfe an.

Der sachliche Hintergrund ist, dass die Sozialgerichte unter der Last der Klagen zu ALG II zusammen brechen. In den Prozessen geht es vor allem um unrechtmäßige Sanktionen der Jobcenter von Leistungen, die das Existenzminimum sichern sollen. Diese sind lt. Verfassung nicht zu kürzen, die Jobcenter tun das aber nach wie vor. Also MÜSSEN diese Menschen klagen. Zudem werden Berlin z. B. werden gerade im Justizwesen weiterhin umfangreiche finanzielle Kürzungen vorgenommen.

Also muss man gucken, wie man Prozesse künftig vermeidet und schlaue Politiker (der erste Vorstoß hierzu kam vorausschauend von der SPD seinerzeit mit der Hartz-Konzeption, die bekannten asozialen Parteien wie CDU und FDP werden nun vollführen) sind nun dabei diese Prozesskostenbeihilfe einzuschränken, die aber die einzige Möglichkeit ist für Menschen ohne sonstige finanzielle Möglichkeiten einen Prozess anstreben zu können, um Recht zu bekommen.

Weder wurde mein Tweet bis jetzt retweetet. Noch wurde mein Facebook-Post kommentiert oder gar geteilt. Nichts. Ich fragte sogar gestern Abend selbstkritisch:



Kein Retweet, kein Fave, keine Antwort.

Es kostet uns hier im Web so wenig Zeit, Energie, Einsatz, um den sehr vielen armen Menschen in diesem Land eine Stimme, eine Lobby zu geben. Aber wir tun es nicht. Es interessiert uns nicht, dass in unserem Sozialstaat arme Menschen künftig nicht mehr ihre Recht einklagen dürfen. Und wenn Frauen, im Nebenzusatz obdachlos, vergewaltigt werden, haben wir keine Verwendung für ihr Leiden zu einem Zeitpunkt, den wir durch den Hashtag #aufschrei europaweit geprägt haben.

Was bitte ist nur los mit uns?

Nachtrag. Die ist der Link zur ePetition gegen die Einschränkung der Prozesskostenbeihilfe. Sie ist seit über einem Monat online und hat derzeit nicht einmal 3.000 Zeichnungen (Stand, heute 14:30 Uhr). Bis zum 18.02.2013 benötigt sie aber 50.000 Stimmen. Gebt sie ihr! Verlinkt die ePetition. BITTE! Hier soll eine ganze Gesellschaftsschicht (nicht nur ALG II-Empfänger, auch Rentner mit Grundsicherung, Minijobber etc.) aus dem deutschen Rechtsgeschehen gestrichen werden – lasst das bitte nicht zu!

Kommentare:

  1. Hm, kann jetzt nur von mir sprechen - habe das mit der Prozesskostenhilfe gelesen und bin dem Link gefolgt und bin dann aber aus Zeitnot nicht mehr weiter eingestiegen um zu erkennen, wie viel da jetzt dran ist - ganz offensichtlich eine Menge nach dieser näheren Information. Wobei ich noch nicht verstanden habe, ob sie komplett abgeschafft bzw. durch etwas anderes ersetzt werden soll - so klang es zumindest beim Bundestag. Gibt es da Erhellendes bzw. einen Link?

    Unabhängig von dieser persönlichen Geschichte glaube ich nicht, dass die sichtbaren (Nicht)Reaktionen auf Deine Tweets ein Zeichen für Verlogenheit oder Wegschauen sein müssen.

    Aber mit dem eigentlichen Skandal der beispringenden Männer hast Du sehr Recht - einer sprach sogar von einer "Unverschämtheit" der Journalistin. Dass Brüderle zu dem persönlichen Vorwurf schweigt, zeigt erst mal persönliche Schwäche; doch dass er es auch zum Verhalten seiner Leute und der daraus inzwischen gewachsenen Bewegung tut, ist auch eine politische.

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  2. Das Thema "Streichung der Prozesskostenhilfe" war letze Woche Bestandteil der Monitor-Sendung. Wie u.a. auch die Sache mit der vergewaltigten Frau, der an Kölner Kliniken die medizinische Untersuchung und die Pille danach verweigert wurde. Nebst einiger anderer ähnlich erdrückender Themen. Ich twitterte seinerzeit dazu, allerdings unspezifisch. https://twitter.com/ker0zene/status/294554626718588928

    Ich kann nur für mich sprechen: Täglich brechen zig Dinge über einen herein, die jedes für sich schlimme Mißstände und schreckliche Situationen darstellen. Ich bekomme viel davon mit, kommentiere, teile einiges, beteilige mich bei wenigen aktiver und weiss insgeheim, das das alles doch nur die Spitze eines Eisbergs ist, der noch viel mehr unerträgliches Übel mitschwämmt, von dem man aber nur einen kleine Teil überhaupt mitbekommt.

    Ich vermute, das geht jedem so. Keiner kann sich jedes Themas annehmen, es braucht immer jemanden, der den Stein ins rollen bringt und dann die kritische Masse, die das Thema in Bewegung hält. Das gelingt leider viel zu selten. Auch aus Selbstschutz nehme ich an, angesichts der ganzen Aufschreie die - auch abseits von #aufschei nötig wären. Um überhaupt noch irgendwie funktionieren zu können blendet man einen Großteil aus. Vermutlich ein notwendiger Reflex, ist doch streng genommen jeder lustige Tweet eben auch einer, der einem ernsten Thema den Platz weg nimmt. Aber dann würde das ganze auch nicht mehr funktionieren.

    Beteiligung oder aktive Anteilnahme an einem Thema läßt sich nicht einfordern. Ich habe zu #aufschrei angemerkt, das mich die Aktion nervt - und dafür auf die Fresse bekommen. Störte mich nicht besonders, ich hatte damit gerechnet. Dabei liegts nicht daran, das ich die Debatte für überflüssig oder unnötig hielte, nur malte ich mir aus, wie das ganze in 160 Zeichen verlaufen würde, mit einer Menge Vorwürfen, Verallgemeinerungen, Pauschalisierungen und neuen Gräben.

    Es ist schade, das Themen, wichtige Themen, unter dem Radar verschwinden. Vieles mehr bräuchte mehr Öffentlichkeit und Resonanz. Aufmersamkeit ist leider endlich und im Grunde dürfte man kein Buch mehr lesen, kein Fußballspiel mehr schauen und erst recht kein IBES, weil die Zeit dafür für wesentlich wichtigere Dinge nötig wäre. So funktioniert es aber nicht. Vermutlich sind wir deswegen auch alle ein Stück weit verlogen (und blenden dabei noch weitestmöglichst aus, das wir in einer Gesellschaft leben, deren Modell es ist, auf dem Rücken von anderen zu leben). Bleibt zu hoffen, das jeder für sich noch Zeit und Kraft findet, um wenigstens ein paar Dinge zum besseren zu wenden. Wo das passiert ...

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  3. @Sebastian Dickhaut
    Danke.

    Zunächst geht es darum, dass die Voraussetzungen für die Prozesskostenbeihilfe neu festgelegt werden.

    Künftig erhält diese nur, dessen Einkommen im Rahmen des rechtlich definierten Existenzminimums liegt. Das heißt, bestreitest Du Deinen Lebensunterhalt aus lediglich zwei Minijobs liegst Du schon darüber (Regelsatz und angemessene Miete liegen meist unter 900 €), erhältst sie nicht – oder allenfalls als Darlehen. Da werden sich Menschen ohne andere berufliche Perspektive künftig sehr genau überlegen müssen, ob sie z. B. einen Arbeitsprozess noch anstreben können.

    Wer also auch den Regelsatz bezieht und z. B. die möglichen € 160,– monatlich hinzu verdient, bevor der Satz gekürzt wird, ist draußen.

    Dann werden künftig keine Gerichtsgebühren mehr erstattet, die durch Inanspruchnahme der Gerichtskostenbeihilfe entstanden sind. Das heißt, bedürftige Kläger müssen künftig die Gebühren bezahlen, das sind zur Zeit bei einem Streitwert von z. B. 5.000 Euro ca. € 121,–, die ein ALG II-Empfänger erst einmal haben muss, jetziger Gebührenstand. Der variiert je nach Bundesland, wenn ich das korrekt verstanden habe.

    Naja, ALG II hat schon eine Lobby im Netz vorrangig nur bei den üblichen Verdächtigen. Viele, die dennoch am Existenzminimum knabbern, blenden das einfach aus. Noch schlimmer, die es nicht tun, kümmern sich nicht obwohl sie wissen, es kann heute jeden treffen. Ich finde es einfach traurig.

    Das ist im Grunde wie die Reaktionen auf unsere Gesundheitspolitik: Augen zu machen, ignorieren so lange man nicht selber oder einer Familienmitglied krank ist. ;-(

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  4. @ker0zen
    Dir auch: danke! Das sind wahre Zeilen.

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  5. Wenn der Fall eine gute Gelegenheit zur günstigen Selbstdarstellung geboten hätte, wäre der sicher auch kommentiert worden.

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  6. creezy du hast in vielem Recht! Bei der Petition war ich gestern ebenfalls irritiert, als ich sie fand, hatte gerade einmal gut 2000 Mitzeichner, inzwischen sind es 2560, immernoch weit von den 50.000 entfernt.

    Ich habe sie gestern abend u.a. auf Google+ verbreitet und zumindest dort wurde sie inzwischen 92-mal geteilt, bekam 128 +1 und 80 Kommentare.

    Würden viele Werbung für die Petition machen, käme sie wohl locker auf die 50.000 Mitzeichner...

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  7. Ähm, hallo? Wir haben alle nur begrenzte Zeit und Aufmerksamkeit (Stichwort: Aufmerksamkeits-Ökonomie). Und nur, weil sich nicht jeder ständig um alles kümmern kann, und das bei einer ständig steigenden Menge an Themen und Problemen, nennst Du das verlogen?

    Das grenzt schon an Unverschämtheit. :-(

    Ich blende mittlerweile bewußt Themenbereiche aus, von denen ich sehr wohl weiß, daß sie wichtig sind. Es hilft nichts, sich in zu viel reinzuhängen, um dann am Ende nirgends irgendwas zu erreichen und sich so nebenbei auch noch nervlich kaputtzumachen. Das nennt man Selbstschutz, das Achten der eigenen Grenzen.

    Was ich tun kann, mache ich auch, aber ich lasse mir nicht vorwerfen, nicht überall mit vollem Einsatz (oder überhaupt) dabeizusein. Wenn Du das für Dich anders entscheidest, dann ist es genau das: Deine persönliche Entscheidung. Aber Du kannst das nicht automatisch von allen anderen verlangen.

    Gruß, Frosch

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  8. Die Vergewaltigung "geht sicherlich gerade etwas unter", weil die Aufmerksamkeit auf das Thema #aufschrei eher über die Summe als die Schwere der Vergehen kommt.

    Da wird dann eine weitere Tat eben weniger prominent bewertet oder beachtet. Und sein wir ehrlich: Es passieren dauernd Vergewaltigungen ohne den aktuellen Aufschrei. Genau wie tausende andere schlimme Dinge.

    Naturgemäß werden Dinge, die im persönlichen Umfeld (Twitter ist sowas!) geschehen deutlich stärker gewichtet, als Dinge weiter draußen.

    Das ist menschlich.

    Und für mich ist ehrlich gesagt die gesellschaftliche Position des Opfers (Hartz IV/Obdachlos/Wohlhabend) erst mal völlig egal. Vergewaltigung ist Vergewaltigung. EGAL wer da das Opfer ist. (und umgekehrt fände ich eine Konkurrenz um den Opferstatus auch perfide. Ich weiß auch, dass Du das hier nicht meinst!)

    Sowas ähnliches gilt auch für das Prozeßkostenthema.

    Zumal das einfach für die meisten von "uns" wesentlich abstrakter ist. Irgendwo in meinem Kopf hielt sich z.B. bis eben der Glaube, dass solche Verfahren gegen Behörden sowieso für den Klagenden kostenfrei sein müssen. Ist wohl nicht so, aber... ich bin eben auch kein Experte für das Thema.

    Und für die meisten ist das eben wesentlich weiter von ihnen weg. Und damit "Weniger relevant".
    Das ist schade bis problematisch, aber so funktioniert menschliche Aufmerksamkeit.

    Wir alle können nicht kontinuierlich viele Themen mit gleicher Intensität verfolgen. Und da gibt es eben einfach Verlierer- und Gewinner-Themen.

    Dass die Gewinner-Themen oft diejenigen sind, die für die jeweilige Gruppe persönlich (z.B. über Erlebniswahrscheinlichkeit oder betroffene Freunde/Bekannte) näher liegend sind, ist halt so.

    Das ist nicht verlogen, das ist "normal". Verlogen wäre es, bei jedem Thema zu behaupten, man sei involviert. Und es ist einfach so, dass Menschen etwas zu Dingen sagen wollen, von denen sie glauben, sie könnten es. Was soll ich zu dem Prozeßkostenhilfethema schreiben? "Ich hab keine Ahnung, aber man sagte mir es sei blöde?". Da ist auch ein getwitterter Link einfach erstmal zu wenig. Ich klicke am Tag vielleicht auf 25 getwitterte Links, von denen 10 ernsthafte Themen besprechen. Parallel rutschen 250 Links durch, ohne dass ich sie anklicke, meist ohne dass ich sie bemerke. Ich kann und will nicht von ~600 Leuten alle Tweets lesen.

    Ich finde es gut und wichtig, solche Themen anzusprechen, aber ich halte es für den völlig falschen Weg hier einen Wettkampf um Relevanz auszurufen. Dann hast Du irgendwann pro Thema einen Proponenten und der Rest hat keine Ahnung.

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  9. Schön und gut. Aber warum immer in die gleiche "Männer vs. Frauen" Kerbe schlagen?

    Das ist mir zu viel Schwarz-Weiß-Denken ehrlich gesagt, so einfach ist die Antwort da nicht:
    http://cymaphore.net/journal/68--Aufschrei-in-Schwarz-Weiss

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  10. @Ute
    Danke. Vor allem für das Teilen der Petition.

    @Atari-Frosch
    Ich habe Verständnis für Deine Argumentation. Aber warum in dieser Reaktion, nur weil man ein Missverhältnis einmal anspricht? Das Recht den Finger darauf zu zeigen, sollte ich genauso haben dürfen, wie Du das Recht, Dinge auszublenden. Oder nicht?

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  11. @Curios
    Danke für die vielen Zeilen. Du hast Recht, es gibt immer Verlierer. Auch aus nachvollziehbaren Gründen. Aber warum sind dann die am Ende der sozialen Kette stehenden Menschen in unserer Wahrnehmung die für uns am uninteressantesten? Das kann man auch hinterfragen.

    Es ist schon schwierig nachzuvollziehen, reden wir von dieser Vergewaltigung, dass sie in dieser aktuellen Zeit in der wir alle von Übergriffen auf Frauen reden, so unter den Tisch fallen soll. Da müssen wir dann doch hinterfragen, wie kann das gerade jetzt sein?

    Meike Lobo versucht den ganzen Tag darauf aufmerksam zu machen, sie hat sicherlich einen deutlich weiteren Wirkungskreis als ich. Es passiert ganz ganz wenig.

    @Cymaphoe
    Weil es über die verdammte Länge der Zeit und in der Masse Frauen sind, die Sexismus erdulden. Männer sind davon die allerkürzeste Zeit betroffen.

    Männer, die ausgerechnet jetzt kommen, mit „mir ist das auch schon mal passiert” haben keine Ahnung von der Menge der Übergriffe, die Frauen erdulden seit sie auf der Welt sind. Bei mir fing es im Alter von fünf Jahren an. Ongoing story.

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  12. @Creezy Ich glaube die schwächsten sind auch bei 'uns' die "Verlierer", weil "wir" in der schönen neuen Social-Media-Welt in der "sozial besonders schwach"-Ecke weniger vertreten sind. UND aus denselben Gründen, aus denen auch sonst Arbeitslose leider keine Lobby haben. Z.B. weil sie seltener aufbegehren. (was wiederrum gesellschaftliche Gründe hat, die man hinterfragen sollte etc... aber ist halt erst mal so).
    Natürlich kann und soll man das hinterfragen.

    Ich rede da ja auch nicht gegen an. Ich finde es gut, wenn Menschen (Du, Meike) auf so was aufmerksam machen.

    Aber Dein Beitrag oben klingt für mich einfach vor allem vorwurfsvoll. "Ihr macht hier ja gar nix!".
    Das kann ich verstehen, weil Dir das Thema wichtig ist. Aber muss mich ja nicht "einbeziehen".

    Und. Es gelingt Dir ja zumindest bei "uns Kommentatoren hier" gerade Awareness für das (Dir) wichtige Thema zu schaffen. (Meike Lobo lese ich z.B. gar nicht direkt. Wenn mir das nicht in die TL gespült wird.. *schulterzuck*).

    In diesem Sinne: Weiter so!

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  13. @Curious
    Erst mal danke überhaupt für Dein wundervolles Blogpost.

    Ich glaube gar nicht, das wir hier in den Sozialen Netzwerken nicht zu den Leuten gehören, die gerade das Thema Prozesskostenbeihilfe betrifft. Dafür müssen hier zu viele doch von Praktikantenjobs leben oder sind auch ohne Job.

    Es tut mir leid, wenn das Blogpost so rüberkommt „Ihr macht ja nix” –ich schrieb schon sehr bewusst von „uns” und „wir”. Ich will mich ja gar nicht selber ausschließen von etwaiger Ignoranz.

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  14. Danke. Stimmt mich sehr nachdenklich. Und das ist immer gut.

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  15. @exellensa
    Ich danke Dir! Mehr wollte ich nicht.

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  16. Ich weiß nicht, ob das Beispiel der Vergewaltigung jetzt so ein großes Empörungspotential hat, wie du meinst. Sicher ist es eine erschütternde Geschichte, die niemand gutheißen kann, aber genau das passiert ja auch: Niemand heißt sie gut. Im Gegensatz zu dem Beispiel aus Indien hat in diesem Fall unser Gesellschaftsapparat hervorragend funktioniert. Der Zeuge hat nicht weggeguckt, die Polizei hat ihre Arbeit gemacht und die mutmaßlichen Täter wurden gefasst. Das macht die Sache nicht ungeschehen, ist aber auch nichts, was große Wellen schlagen wird. Worüber sollen wir uns aufregen oder diskutieren? Böse Menschen werden nicht einfach so verschwinden, schlimme Dinge werden weiterhin passieren.

    Die Sache mit der Petition für die Prozesskostenhilfe ist wiederum eine ganz andere Sache. Danke für den Hinweis, ich habe davon einfach nichts mitbekommen.

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  17. Geklickt, Angemeldet, Petition unterzeichnet, im Blog und auf Facebook verbreitet.
    Danke für den Hinweis!

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  18. ich bin so(!) bei dir! es ist so frustrierend, dass die leute sich einfach nicht interessieren, sobald es sie nicht selbst betrifft. sexismus, interessant. feminismus, interessant. arme menschen? ach nee, betrifft mich ja nicht. ich raste regelmäßig aus wegen sowas. aber wie man da wirklich was verändern kann, weiß ich auch nicht. also zeichne ich weiter petitionen und sogar appelle, retweete brisante news und hoffe, dass es mal wen interessiert...

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Fröhlich sein, freundlich bleiben und bitte immer gesund wieder kommen!